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Gelesene Zeit
© Donata Wenders "Studie XII", Berlin 2017, Photogravure / Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Donata Wenders »

Gelesene Zeit

Exhibition: 20 Jan – 6 Apr 2018

Sat 20 Jan

Johanna Breede PHOTOKUNST

Fasanenstr. 69
10719 Berlin

+49 (0)30-88913590


www.johanna-breede.com

Tue-Fri 11-18 + by app.

Donata Wenders
"Gelesene Zeit"
Photographische Studien

Ausstellung: 20. Januar bis 6. April 2018
Eröffnung: Samstag, 20. Januar 2018

Wir alle leuchten. Wir scheinen weit über unsere Tage hinaus – sind Widerschein von Äonen; Echo von unendlichem Licht. "Wir sind wie der Mond, die Sterne die Sonne", hatte 1970 John Lennon in seinem Song "Instant Karma" versprochen. "Wir scheinen weiter, weiter und weiter." Vielleicht ist es eine der unergründlichsten Erfahrungen der Menschheit. Seit jeher hat sie Mythen, Kunstwerke und Lebenswege geprägt. Sie hat das Denken von Philosophen beeinflusst, und den Dichtern hat sie neue Ausdrucksformen an die Seite gestellt.

Auch die 1965 in Berlin geborene Photokünstlerin Donata Wenders hat des öfteren schon versucht, auf ihren Bildern das Licht hinter den Dingen zum Leuchten zu bringen. "Auf meinen Photographien", so sagt sie, "interessiert mich das, was nur zwischen den Zeilen zu sehen ist – das, was man immer wieder fragend und vorwärtstastend umstreifen kann."

Viele der Photos erscheinen daher wie kleine, visuelle Gedichte. Zerbrechliche Kleinodien in einer Welt der großen Behauptungen. Auf diesen Bildern werden keine unumstößlichen Theorien visualisiert. Keine Thesen. Keine Weltanschauungen. Eher lebt diese skizzenhafte Photographie vom Reiz des Unsagbaren; von den so oft übersehenen Spuren, die die Ewigkeit im Gerüst der Zeit hinterlassen hat. Donata Wenders Bilder eröffnen Assoziationsräume. Sie stellen Fragen; sind kleine Steine für einen großen Anstoß. Was etwa geschieht, wenn das Licht unserer Tage ins Schwarze hineintrifft? Wofür soll unser Leben Reflektionsfläche sein? Und wem geben wir Widerschein?

So geht es am Ende immer um Licht. Dieses Licht, sagt Donata Wenders, sei ihr stets eine Art Lehrer, ein Meister. Bei jeder ihrer Photographien übernehme es die Regie. Über die Jahre sei es von einem reinen Gestaltungsmittel zum eigentlichen Protagonisten der Bilder geworden. So spielte sie auf ihrer Serie "In the Snow" aus dem Jahr 2010 mit der zarten Magie von Winterlicht, und ein Jahr darauf visualisierte sie mit "Portrait in a Haze" die Lichtschleier in einer Nebelbank.

Nun ist Donata Wenders mit neuen Lichtbefragungen zurück. In der zweiteiligen Ausstellung die "Gelesene Zeit" zeigt die Photokünstlerin Porträts und poetische Körperstudien, die sich abermals mit dem schier unerschöpflichen Thema von Licht, Zeit und Bewegung auseinandersetzen. Zusammen mit der Schauspielerin Arijana Antunovic hat Wenders für diese Ausstellung zarte Photogravüren geschaffen, die im Prozess des heute fast vergessenen Edeldruckverfahrens zu Trägern von nahezu transparenten Lichtspuren werden. Es ist, als leuchtete durch diese Langzeitbelichtungen selbst im Moment der Betrachtung noch ein geheimnisvolles Licht hindurch.

So ist die "Gelesene Zeit" in weiten Teilen eine Lichtwerdung geworden. In dem Zusammentreffen von Hell und Dunkel, von Schwarz und Weiß, visualisieren die Bilder dieser Ausstellung eine alte Tröstung des Propheten Jesaja: "Mache dich auf und werde Licht! Denn dein Licht kommt." Sowohl die im ersten Ausstellungsraum gezeigten Photogravüren als auch die im zweiten Teil versammelten älteren Porträts – darunter Aufnahmen von Peter Handke oder James Franco - zeigen, dass dieses mystische Licht nicht nur der Stoff von alten Texten und verstaubten Büchern ist. Vielleicht muss man nur durch die vordergründigen Dinge hindurchschauen lernen. Man muss Licht und Zeichen zu lesen wissen, dann leuchtet auf jedem dieser Porträts ein Stück Ewigkeit auf. (Text: Ralf Hanselle)