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Artists / Künstler
© Stefan Moses 'Otto Dix', aus der Serie KÜNSTLER MACHEN MASKEN, 1964
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Stefan Moses »

Artists / Künstler

Exhibition: 9 Jun – 21 Sep 2018

Sat 9 Jun 11:00 - 15:00

Johanna Breede PHOTOKUNST

Fasanenstr. 69
10719 Berlin

+49 (0)30-88913590


www.johanna-breede.com

Tue-Fri 11-18 + by app.

Artists / Künstler
© stefan moses 'Selbst mit Frank Michael Beyer', aus der Serie SELBST IM SPIEGEL, München 1988
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

stefan moses
"Artists"


Exhibition: 9 June – 21 September, 2018
Opening: Saturday, 9 June, 11am - 3pm

A man disappears. He turns his face to the camera, holding a mask in front of his mouth, thus removing his person from reality. Only the dark eyes remain, a high forehead with grey hair, wrinkled hands showing traces of age. The rest has evolved – at least for the short moment of a photograph; for the "elusive moment", in which the subject has disappeared behind a strange amorphous object which can barely be identified. Is it a piece of dark wood? An old dried leaf? Whatever it is, it helps this person become an enigma.

It is only the caption that then brings the actual subject to light. The masked man, hiding himself from view as in an absurd child’s game, is the painter and graphic artist Hans Hartung. The German photographer stefan moses captured the artist seven years before his death in an unusual black and white series of photographs: the then 78 year old informel artist is seen on both sides of his masquerade; at times one seeks him behind the provisional mask, then one looks him straight in the eye.

Hans Hartung was certainly not the only person who hid from the gaze of moses' camera in this fashion. Between 1959 until 2003 the photographer repeatedly asked painters, sculptors and action artists to create a provisional mask within a few minutes and to then disappear behind it for the brief moment of a photograph. Sometimes the mask is a pair of scissors, or a paint bucket, scarves, plates or small drawings. Whatever was available during the portrait sittings became a small hiding place for the soul. Only in a second step did moses then affectionately reveal the artists, showing them again unmasked. These image sequences ultimately seem like illustrations for an exclamation in Schiller’s drama "Maria Stuart": "Now you show your true face, until now it was just a larvae."

But how true is this "true face"? This question never ceased to occupy the photographer Stefan Moses, who died in February of this year. The former theater photographer from Liegnitz in Silesia constantly devised new experimental arrangements to find satisfying answers: sometimes he built provisional stages, and other times he worked on settings for humorous self-reflections. Often the people he photographed were unknown. However, his most beautiful exposures and his most enlightening pupations resulted from the often long portrait sittings of artists - with people for whom the interplay between man and his role, between persona and personality, had long since become their second skin.

A selection of these unique artist portraits will be shown June 9 - September 21, 2018 in the Berlin Galerie Johanna Breede PHOTOKUNST. One can see the textile artist Else Bechteler-Moses as a ghost under a white linen cloth; Jörg Immendorf appears as a cyclops with one eye; Otto Dix, Meret Oppenheim, Max Bill, Gerhard Richter or Neo Rauch are all photographed in their studios. And of course there is moses himself: a philanthropic camera artist. The few portraits of him circulating in public usually show him behind his black Nikon. Most images do not show him at all. Perhaps photography was his own mask - his small hiding place among an immense work. While still alive, stefan moses had begun to reveal more of his work for the current small portrait exhibition. Now, three months after his death, the artist portraits have become a final tribute to a great image maker and a passionate contemporary of the 20th century. (text: Ralf Hanselle)

Artists / Künstler
© stefan moses 'Jörg Immendorf mit Muttermundmaske', aus der Serie KÜNSTLER MACHEN MASKEN, München 1997
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

stefan moses
"Künstler"


Ausstellung: 9. Juni bis 21. September 2018
Eröffnung: Samstag, 9. Juni, 11-15 Uhr

Ein Mensch verschwindet. Er dreht sein Gesicht zur Kamera hin, hält sich eine Maske vor den Mund und zieht so sein Wesen aus der Wirklichkeit raus. Am Ende bleiben einzig noch die dunklen Augen, eine hohe Stirn mit grauen Haaren, faltige Hände mit Spuren des Alters. Der Rest aber hat sich verpuppt – zumindest für den kurzen Augenblick einer Photographie; für den "moment fugitif", in dem der Mensch hinter einem merkwürdig amorphen Objekt verschwunden ist. Ein Objekt, das sich kaum näher identifizieren lässt. Ein Stück dunkles Holz? Ein altes vertrocknetes Blatt? Was immer es ist, es lässt diesen Menschen mit einem Mal wie ein Rätsel erscheinen. Erst die Bildunterschrift bringt es an den Tag. Bei dem Maskierten, der sich wie in einem absurden Kinderspiel vor aller Augen versteckt hält, handelt es sich um den Maler und Graphiker Hans Hartung. Sieben Jahre vor dessen Tod hat ihn der deutsche Photograph stefan moses in einer schwarzweißen Sequenz aus ungewöhnlichen Photos verewigt: Mal sieht man den damals 78-jährigen Informel-Künstler diesseits, und dann wieder jenseits seiner Maskerade; mal sucht man ihn hinter der provisorischen Larve, dann wieder schaut man ihm direkt ins Gesicht.

Hans Hartung war beileibe nicht der einzige, der sein Wesen auf diese Weise vor den Blicken von moses' Kamera versteckt hielt. Von 1959 bis ins Jahr 2003 hatte der Photograph immer wieder Maler, Bildhauer oder Aktionskünstler darum gebeten, sich innerhalb weniger Minuten eine provisorische Maske zu basteln, um dann für den flüchtigen Moment der Photographie hinter dieser zu entschwinden. Mal ist es eine Schere, dann Farbeimer, mal Tücher, Teller oder kleine Zeichnungen. Was immer während der Portraitsitzungen gerade zur Hand war, wurde in ein kleines Versteck der Seele verwandelt. Erst in einem zweiten Schritt dann hat moses die Künstler wieder liebevoll entlarvt und noch einmal mit demaskierten Blicken gezeigt. So wirken diese Bildsequenzen letztlich wie Illustrationen zu einem Ausruf aus Schillers Drama "Maria Stuart": "Jetzt zeigt ihr euer wahres Gesicht, bis jetzt war’s nur die Larve."

Doch wie wahr ist dieses "wahre Gesicht"? Diese Frage hat den im Februar diesen Jahres verstorbenen Stefan Moses Zeit seines Lebens nicht losgelassen. Immer neue Versuchsanordnungen hat sich der einstige Theaterfotograf aus dem schlesischen Liegnitz ersonnen, um zufriedenstellende Antworten zu finden: Mal baute er provisorische Bühnen, dann wieder tüftelte er Settings für humoreske Selbstbespiegelungen aus. Oft waren die von ihm photographierten Menschen Unbekannte. Doch seine vielleicht schönsten Entlarvungen und seine erhellendsten Verpuppungen sind ihm während der oftmals langen Portraitsitzungen mit bildenden Künstlern gelungen – mit Menschen, denen das Wechselspiel zwischen Mensch und Rolle, zwischen Persona und Persönlichkeit, längst zur zweiten Haut geworden war.

Eine Auswahl dieser einzigartigen Künstlerportraits ist nun in der Ausstellung zu sehen: Da sieht man etwa die Textilkünstlerin Else Bechteler-Moses als Gespenst unter weißem Leinentuch; da ist Jörg Immendorf als Zyklop mit einem Auge; da sind Otto Dix, Meret Oppenheim, Max Bill, Gerhard Richter oder Neo Rauch, photographiert in ihren Ateliers. Und natürlich ist da moses selbst: Ein philanthropischer Kamerakünstler. Auf den wenigen Portraitaufnahmen, die in der Öffentlichkeit von ihm kursieren, sieht man ihn meistens hinter seiner schwarzer Nikon. Die allermeisten Bilder zeigen ihn gar nicht. Vielleicht war die Photographie seine eigene Maske - sein kleines Versteck in einem gewaltigen Werk. Noch zu Lebzeiten hatte stefan moses damit begonnen, dieses für die kleine aktuelle Portraitausstellung zu lüften. Jetzt, drei Monate nach seinem Tod, sind sie Künstlerportraits zu einer letzten Verbeugung vor einem großen Bildermacher und einem leidenschaftlichen Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts geworden. Text: Ralf Hanselle

Artists / Künstler
© stefan moses 'Meret Oppenheim mit Kormoranmaske', aus der Serie KÜNSTLER MACHEN MASKEN, Studio Bern 1982
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST
Artists / Künstler
© stefan moses 'Hans Hartung', aus der Serie KÜNSTLER MACHEN MASKEN, Wien 1982
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST