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Puppet Masters
© Benita Suchodrev

Benita Suchodrev »

Puppet Masters

Exhibition: 27 Oct – 20 Dec 2018

Fri 26 Oct 20:00

Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch

Zinnowitzer Str. 11
10115 Berlin


www.hfs-berlin.de

Mon-Sat 10-18

Puppet Masters
© Benita Suchodrev

Benita Suchodrev
"Puppet Masters"


Exhibition: 27 October – 20 December, 2018
Opening: Friday, 26 October, 8pm

The freedom of the puppet had always allowed it to explore the dark side of humanity and the taboos that would otherwise be off limits to an actor. In his famous essay from 1810 On the Marionette Theatre, the German dramatist Heinrich von Kleist presented the puppet as a philosophical motif and consequently influenced the art of puppetry in the German-speaking world. Kleist regards the puppet as an empty vessel infused with spirit at the will of the puppeteer. Its philosophical meaning makes it a vehicle for the expression of something significant and thereby elevates it to a status which far exceeds that of a lifeless object or a mere doll attached to strings.

By the late 19th century, Puppet Theater had evolved from a nomadic, carnivalesque spectacle into a cultural attraction and during the 20th century it gradually reached the masses through television and film, establishing itself as an important aspect of popular culture. Times have changed but the puppet had ultimately remained the same, for as Kleist argued, the Puppet never loses its center of gravity and is not 'afflicted with the inertia of matter'. A puppet’s soul is revealed through its movement and function and while it may seem to vary it remains universal.

A puppet teamed with its master is a metaphor for will and the lack thereof; a symbol of interrelation and mutual control. Together they form one body where the beautiful and grotesque cross, where the morbid and ecstatic fight for dominance and where reality and fantasy appear interchangeable. Their dialogue is unique and today, perhaps more than ever, it yearns to be heard.

Theater is an art form that relies on 'live', direct interaction, on voice and movement that a still image cannot provide. Puppet Masters by the Berlin photographer Benita Suchodrev explores the visual and material dialogue between puppet and its 'master', mask and actor, character and spectator in the context of contemporary Puppet and Object Theater. The large format studio images capture the transformative facets of artistic identity through a 'performance' based on a non-existent script. Every pose and gesture is improvised and is as much about the performers in search of their own individual means of expression as it is about the objects or puppets with which they interact. Each image is also as much about aesthetic perfection as it is about the magic that happens when a human subject and an object 'unite', when dead material is animated or when the player becomes the puppet.

Through Suchodrev’s implementation of minimal or elaborate costumes, special props and the juxtaposition of unexpected and ambiguous elements, psychological and narrational nuances come into play and give rise to various personas and associations. Whether pensive, playful or sensual, each character inhabits a world of its own, provoking the viewer’s fantasy with its distinct characteristics. "At the same time, the dark and seemingly borderless studio space compels each character to play the role of a lone hero plucked out of an open narrative whose message or meaning, end or beginning also remain without borders", says the photographer. (Text: Benita Suchodrev)

Puppet Masters was created by Benita Suchodrev and realized in close collaboration with selected students of the puppetry department of the renowned Academy of Dramatic Arts Ernst Busch in Berlin, Germany. The project will be exhibited as part of the grand reopening of the academy in Berlin Mitte during the European Month of Photography.

Benita Suchodrev was born in the former Soviet Union and immigrated to the United States where she received her Bachelor’s degree in Liberal Arts with a focus on Art History, followed by a Master’s degree in English Literature, graduating with high honors. In 2008 she relocated to Berlin and began an extensive documentation of the cosmopolitan city’s multifaceted art scene while working on diverse photographic project, which have been exhibited in solo and group shows nationally and internationally.

Her photographs have appeared in 48 Hours Blackpool (Kehrer Verlag, 2018), Nachtleben Berlin: 1974 bis heute (Metrolit Verlag, 2013), Berlin Now (teNeues Verlag, 2009) and have been featured in numerous newspapers and magazines including the Frankfurter Allgemeine Zeitung, taz, STERN.DE, AMICA Italy, ART, Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Российский Фото Союз (Russian Photographers Union), SCHWARZWEISS, MIND China and The Moscow Times, among others. Her portrait and documentary work is part of the Rafael Tous Foundation for Contemporary Art in Barcelona and private collections in Moscow, Berlin and New York.

Benita Suchodrev currently lives and works in Berlin.

More information: www.benitasuchodrev.com

Puppet Masters
© Benita Suchodrev

Benita Suchodrev
"Puppet Masters"


Ausstellung: 27. Oktober bis 20. Dezember 2018
Eröffnung: Freitag, 26. Oktober, 20 Uhr

Die Freiheit der Puppe hatte ihr immer ermöglicht, die dunkle Seite der Menschheit und die Tabus zu erforschen, die sonst für einen Schauspieler tabu gewesen wären. In seinem berühmten Essay von 1810 Über das Marionettentheater stellte der deutsche Dramatist Heinrich von Kleist die Puppe als philosophisches Motiv vor und beeinflusste damit die Puppenspielkunst im deutschsprachigen Raum. Kleist betrachtet die Puppe als ein leeres Gefäß, der nach dem Willen des Puppenspielers mit Geist durchtränkt ist. Die philosophische Bedeutung der Puppe macht sie zu einem Vehikel für den Ausdruck von etwas Signifikantem und erhebt sie dadurch auf einen Status, der weit über den eines leblosen Gegenstandes oder einer bloßen Puppe, die an Fäden hängt, hinausgeht.

Im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich das Puppentheater von einem nomadischen, karnevalesken Spektakel zu einer kulturellen Attraktion und im Laufe des 20. Jahrhunderts erreichte es durch Fernsehen und Film allmählich die Massen und etablierte sich als wichtiger Aspekt der Populärkultur. Die Zeiten haben sich geändert, aber die Puppe blieb letztlich dieselbe, denn wie Kleist behauptete, verliert sie niemals ihren Schwerpunkt und ist nicht 'mit der Trägheit der Materie behaftet'. Die Seele einer Puppe offenbart sich durch ihre Bewegung und Funktion, und während diese sich zu verändern scheint, bleibt sie dennoch universell.

Eine Puppe, die sich mit ihrem Meister paart, ist eine Metapher für den Willen und sein Fehlen; ein Symbol der Wechselbeziehung und gegenseitiger Kontrolle. Zusammen bilden sie einen Körper, wo das Schöne und Groteske sich kreuzen, wo das Morbide und das Ekstatische um die Vorherrschaft kämpfen und wo Realität und Fantasie austauschbar erscheinen. Ihr Dialog ist einzigartig und heute, vielleicht mehr als je zuvor, sehnt er sich danach, gehört zu werden.

Da Theater eine Kunstform ist, die vom Live-Ereignis, dem direkten Erleben von Körper, Stimme und Bewegung lebt, muss Fotografie den Fokus anders setzen. Das Projekt Puppet Masters der Berliner Fotografin Benita Suchodrev, stellt den visuellen und materiellen Dialog zwischen Puppe und ihrem "Meister", Maske und Schauspieler, Charakter und Betrachter im Kontext des zeitgenössischen Puppen- und Objekttheaters in den Mittelpunkt.

In ihren großformatigen, "improvisierten Inszenierungen" hält die Fotokünstlerin den Moment des Suchens nach einem individuellen Ausdruck in einem Studio fest und offenbart zugleich die wandelbaren Facetten künstlerischer Identität. Neben ästhetischer Perfektion geht es in ihren Arbeiten vor allem um die Magie, die entsteht, wenn Mensch und Objekt sich "vereinen", wenn totes Material "belebt" oder die Spieler selbst zur Puppe werden.

Durch Suchodrev’s Einsatz von minimalen oder aufwendigen Kostümen, speziellen Requisiten und der Gegenüberstellung von unerwarteten und mehrdeutigen Elementen kommen psychologische und erzählerische Nuancen ins Spiel und lassen verschiedene Personas und Assoziationen entstehen. Ob nachdenklich, spielerisch oder sinnlich, jeder Charakter bewohnt eine eigene Welt und provoziert die Fantasie des Betrachters mit seinen besonderen Eigenschaften. "Gleichzeitig zwingt der dunkle und scheinbar grenzenlose Studioraum jede Figur dazu, die Rolle eines einsamen Helden zu spielen, der aus einer offenen Erzählung herausgerissen wird, deren Botschaft oder Bedeutung, Ende oder Anfang auch ohne Grenzen bleibt", so die Fotografin. (Text: Benita Suchodrev)

Puppet Masters wurde von Benita Suchodrev konzipiert und in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Studenten*innen der Puppenspielkunstabteilung der renomierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch erschaffen. Das Projekt wird anlässlich der großen Neueröffnung der Hochschule in Berlin Mitte während des European Month of Photography in einer Sonderausstellung präsentiert.

Benita Suchodrev wurde in der ehemaligen Sowjetunion geboren und wanderte in die Vereinigten Staaten aus, wo sie ihren Bachelor-Abschluss in Geisteswissenschaften mit dem Schwerpunkt Kunstgeschichte gefolgt von einem Master-Abschluss in Englischer Literatur mit Auszeicnung bestand. Im Jahr 2008 zog sie nach Berlin und begann eine umfangreiche Dokumentation der facettenreichen Kunstszene der kosmopolitischen Stadt. Zeitgleich arbeitete sie an verschiedenen fotografischen Projekten, die in nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt wurden.

Ihre Fotografien wurden in 48 Hours Blackpool (KEHRER Verlag, 2018), Nachtleben Berlin: 1974 bis heute (Metrolit Verlag, 2013) und Berlin Now (teNeues Verlag, 2009) veröffentlicht und sind in zahlreichen Zeitungen und Magazinen erschienen, unter anderem in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, taz, STERN.DE, AMICA Italy, ART, Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Российский Фото Союз (Russischer Fotografenverband), SCHWARZWEISS, MIND China und The Moscow Times. Ihre Porträt- und Dokumentararbeiten sind Teil der Rafael Tous Foundation for Contemporary Art in Barcelona sowie Privatsammlungen in Moskau, Berlin und New York.

Benita Suchodrev lebt und arbeitet derzeit in Berlin. Weitere Informationen: www.benitasuchodrev.com

Puppet Masters
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