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DRIVEN BY DISTRACTION
M+M
7 Tage
Raumsimulation, Sprengel Museum Hannover, 2020
Raumsimulation: M+M
© VG Bild-Kunst Bonn, 2020

M+M (Marc Weis + Martin De Mattia) »

DRIVEN BY DISTRACTION

Exhibition: 17 Jun – 20 Sep 2020

Sprengel Museum Hannover

Kurt-Schwitters-Platz
30169 Hannover

0511-16843875


www.sprengel-museum.de

Tue 10-20, Wed-Sun 10-18

DRIVEN BY DISTRACTION
M+M
Vorhang Limbo Lichtspiele, 2018
Foto tv1+tv1
© VG Bild-Kunst Bonn, 2020

M+M
"DRIVEN BY DISTRACTION"


Ausstellung: 17. Juni bis 20. September 2020

Im Bereich Fotografie und Medien präsentiert das Sprengel Museum Hannover neue Arbeiten des Künstlerduos M+M (Marc Weis und Martin De Mattia). Zu sehen sind der umfangreiche und komplexe Filmzyklus "7 Tage" sowie der jüngste, erst kürzlich in der Münchner Villa Stuck erstmalig gezeigte Film "Mad Mieter", der in 3-D-Technik produziert wurde.

Der Filmzyklus "7 Tage" entstand über den Zeitraum von fast sieben Jahren. Die insgesamt sieben Doppelprojektionen, die jeweils als eigene Filmarbeit funktionieren, greifen die Struktur der Wocheneinteilung auf und tragen jeweils den Titel eines Wochentags. Neben dem österreichischen Schauspieler Christoph Luser, der im gesamten Zyklus den wechselhaften Protagonisten verkörpert, wirken u. a. die Schauspieler*innen Sibylle Canonica, Daniela Schulz, André Jung und Oliver Mallison mit.

Der Zyklus wagt einen Grenzgang zwischen künstlerischer Rauminszenierung, Video-Installation und Film. Wie schon in diversen Arbeiten zuvor, etwa im "Johanna-Zyklus" (2000) oder "Der Stachel des Skorpions" (2014) untersuchen M+M hier verschiedene Möglichkeiten und Formen des Erzählens. Die Grundstruktur der Narration scheint unterschwellig dem biblischen Schöpfungsmythos von der Schaffung der Welt in sieben Tagen zu folgen, einem Archetypus des Erzählens schlechthin. Die göttliche Schöpfungskraft wird hier auf eine künstlerische Ebene übertragen, die M+M nicht nur für sich selbst beanspruchen, sondern in zahlreichen Verweisen auf die Filmgeschichte beziehen. Im Zentrum stehen jeweils unterschiedliche Wahrnehmungsperspektiven sowie variantenreiche Modi des Erzählens. Jedem Wochentag ist eine Doppelprojektion gewidmet, die sich meist spezifisch auf eine Referenz der Filmgeschichte bezieht.

In "Montag" führt ein Mann den exakt gleichen Dialog, der von einer Passage aus Stanley Kubricks "The Shining" inspiriert ist, einmal mit seiner Tochter und parallel dazu mit seiner Frau. Mit den unterschiedlichen Gesprächspartnerinnen verändert sich die Lesart des Textes auf verblüffende Art und Weise, wechselt vom Zärtlichen ins Bedrohliche, vom Unschuldig-Naiven ins Abgründig-Erotische.

"Dienstag" spielt im "Salon Botticelli" und zeigt eine klassische Nassrasur in zwei Versionen, die einerseits eine sinnlich-erotische, andererseits eine aggressiv-gefährliche Lesart evozieren; die Dialoge stammen aus Patrice Lecontes Film "Der Mann der Friseuse".

"Mittwoch" nimmt uns auf die nächtliche Autofahrt eines Mannes mit, die einmal von Sehnsucht getrieben scheint, im parallelen Fall von Eifersucht – zwei klassische Treiber von Filmerzählungen, die M+M hier auf der Grundlage von Claude Lelouchs Film "Ein Mann und eine Frau" neu inszenieren.

"Donnerstag" überträgt eine Szene aus dem Leben Franz von Assisis, in der er den Bruch mit seinen Eltern und, damit verbunden, die Abkehr von Reichtum und Wohlstand vollzieht, in die heutige Finanzwelt. Handlung und Dialoge sind Liliana Cavanis Historienfilm "Franziskus" entnommen.

"Freitag" zeigt eine Sequenz aus einem klassischen Horror-Drehbuch: den Blick auf eine Frau, die, nur mit einem Handtuch bedeckt, aus der Dusche kommt und dann mit einem (Rasier)Messer ermordet wird. In ihrer Parallelinszenierung mit einer jungen und einer alten Frau erweitern M+M hier ein Motiv von Dario Argentos Film "Tenebre".

DRIVEN BY DISTRACTION
M+M
7 Tage (Samstag), 2009 - 2015
Foto: Olivier Minaire
© VG Bild-Kunst Bonn, 2020

"Samstag" eröffnet unterschiedliche Gender-Perspektiven in der Wahrnehmung von Ereignissen. In jeweils zeitgleich laufenden Einstellungen tanzt und flirtet dieselbe Person einmal mit einer jungen Frau und einmal mit einem jungen Mann; der Dialog folgt dem Film "Saturday Night Fever" von John Badham.

Die Vater/Tochter- und Mann/Frau-Konstellation wird in "Sonntag" noch einmal in einem parallel geführten Dialog, der der Anfangsszene von Jean-Luc Godards Filmklassiker "Le Mépris" folgt, ins Spiel gebracht.

Das neueste Filmprojekt "Mad Mieter" ist einmal mehr inspiriert von einem Klassiker des Horrorfilms: "Ekel" von Roman Polanski. In einem bürgerlich-konservativen Wohnambiente mit Küche, Wohn- und Schlafzimmer, hat sich eine Gottesanbeterin, aufgrund ihrer skurril-exaltierten Körperform und ihres abgründigen Verhaltens ein ikonisches Fabeltier für die Surrealist*innen, als Bewohnerin eingenistet. Als ein Gast hinzukommt, nimmt ein grausames Geschehen seinen Lauf… Die Verbindung aus gewohnter Umgebung und surrealen Akteuren wird durch die 3-D-Technik verstärkt, die das Geschehen noch realer und intensiver wirken lässt. Angesichts der aktuellen Situation, in der viele Menschen an ihr Zuhause gebunden sind, wirkt das Szenario wie eine Metapher über Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen.

Im Gesamtbild entsteht aus der Interaktion von Erzählung und Wahrnehmung, aus Wirklichkeit, Fiktion und Kunst ein ebenso eindrucksvolles wie dichtes Geflecht psychosozialer Beziehungen.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Museum Villa Stuck in München. Zur Ausstellung erscheint ein vom Museum Villa Stuck erarbeiteter Katalog, 708 Seiten, herausgegeben von Michael Buhrs und Reinhard Spieler.

Kurator: Reinhard Spieler

DRIVEN BY DISTRACTION
M+M
7 Tage (Sonntag), 2009-2015
Foto: Olivier tv1inaire
© VG Bild-Kunst Bonn, 2020
DRIVEN BY DISTRACTION
M+M
Mad Mieter, 2019
Still M+M
© VG Bild-Kunst Bonn, 2020