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THE ANIMAL AND ITS HUMAN BEING / DAS TIER UND SEIN MENSCH
Stefan Moses © archiv stefan moses
"Kapuzinerpater mit Katze", Immenstadt 1964
Courtesy Johanna Breede

Stefan Moses »

THE ANIMAL AND ITS HUMAN BEING / DAS TIER UND SEIN MENSCH

Exhibition: 17 Nov 2020 – 27 Mar 2021

Johanna Breede PHOTOKUNST

Fasanenstr. 69
10719 Berlin

+49 (0)30-88913590


www.johanna-breede.com

Tue-Fri 11-18 + by app

THE ANIMAL AND ITS HUMAN BEING / DAS TIER UND SEIN MENSCH
Stefan Moses © archiv stefan moses
"Loriot mit den englischen Möpsen Henry und Gilbert in seinem Studio", Haus Ammerland, 1966
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Stefan Moses
"THE ANIMAL AND ITS HUMAN BEING"

Exhibition: 17 November 2020 – 27 March 2021

Anyone who observes Stefan Moses at work is suddenly drawn into the maelstrom of that quiet insistent madness with which a great photographer makes the living objects submissive, if not defenseless, to his desire. He smiles kindly. Many gentle, affirmative words create the deceptive impression of a conversation, as if the photographic victim still had a will of his own, as if he still had something to contribute to his self-expression. Last resistances and initial alertness turn into an atmosphere of helpless trust.

Moments later, a couple nestles passionately together in front of the camera, disregarding an aversion that has grown over decades. Yes, they are even willing to repeat the process as often as they like. Contrary to expectations, the result (a print in 24 x 30 format, black and white, glossy) reveals the traces of decades that were corked together. Stefan Moses masters the psychological and hypnotic means of restoring lost naturalness to humans and other vertebrates.

I almost never succeed in this. As soon as I point my Rolleiflex, a somewhat cumbersome but reliable device dating from 1952, at a living subject, it denies me any respect. People begin to grimace in a manner foreign to their species, express themselves in hurtful comments or lose control over their usual movements.

Present animals appear equally disturbed. Anton, an otherwise very level-headed, thoughtful dog, growls into the lens (Schneider Xenar, 1:3.5) while slightly raising his upper lip. Paul, a pug of trustworthy descent, crosses his ears over his head and reveals his buttocks, which, due to their natural opening, are not common motifs.

The rituals of refusal in animals and humans are therefore different. Also the held out calf-bone is not equally effective with master and dog. And yet, in the portrait of the lion tamer, who beds his head diagonally between his pupil's teeth, the virtuoso photographer succeeds in tracing the background of the relationship and in demonstrating the emotional tensions in the facial expressions of the partners.

This requires art and patience. A wrong look, the animal closes its throat in a bad mood, and the smile of the artist seems strangely broken. An industrial accident, and yet, photographed in time, a rare document of truth: photographer's luck.

The animal and its human. The title makes one uncertain. At first glance, one suspects the fateful affiliation. At second glance, the human being is already the property of the animal. The latter version is more familiar to me. For decades the digestive rhythms of three dogs have determined the social life of the family. They force us to return home hastily after culturally used free time, force us to stay outside, at night in unfavorable weather.

Stefan Moses, photographer and psychologist, does not know this one-sided view. With a gentle hand he accompanies the sensitive togetherness without making good and evil, tragedy or comedy into a program. With each photo he tells a story from the ring of the lost paradise, perhaps in the hope that one day animal and human will jump through the hoop together.

Loriot

THE ANIMAL AND ITS HUMAN BEING / DAS TIER UND SEIN MENSCH
Stefan Moses © archiv stefan moses
"Schäferin", LPG Priemen 1990
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Stefan Moses
"DAS TIER UND SEIN MENSCH"


Ausstellung: 17. November 2020 bis 27. März 2021

Wer Stefan Moses bei der Arbeit beobachtet, gerät unversehens in den Sog jenes leisen beharrlichen Wahnsinns, mit dem ein großer Photograph die lebenden Objekte seiner Begierde gefügig, wenn nicht wehrlos macht. Er lächelt gütig. Durch viele sanfte, zustimmende Worte entsteht der trügerische Eindruck eines Gesprächs, als habe das photographische Opfer noch einen eigenen Willen, als habe es zu seiner Selbstdarstellung noch irgendetwas beizutragen. Letzte Widerstände und anfängliche Wachsamkeit wandeln sich zu einer Atmosphäre hilflosen Vertrauens.

Augenblicke später schmiegt sich vor der Kamera eine Ehepaar unter Missachtung einer in Jahrzehnten gewachsenen Abneigung leidenschaftlich aneinander. Ja, es ist sogar bereit, den Vorgang beliebig oft zu wiederholen. Wider Erwarten enthüllt das Ergebnis (ein Abzug im Format 24 x 30, schwarz-weiß, hochglanz) die Spuren gemeinsam verkorkster Jahrzehnte. Stefan Moses beherrscht die psychologischen und hypnotischen Mittel, Menschen und anderen Wirbeltieren die verlorene Natürlichkeit zurückzugeben.

Mir gelingt das so gut wie nie. Kaum richte ich meine Rolleiflex, ein etwas umständliches, aber verlässliches Gerät aus dem Jahre 1952, auf ein lebendes Motiv, versagt mir dieses jeden Respekt. Menschen beginnen artfremd zu grimassieren, äußern sich in verletzenden Kommentaren oder verlieren die Kontrolle über ihre gewohnten Bewegungsabläufe.

Anwesende Tiere erscheinen gleichermaßen verhaltensgestört. Anton, ein sonst sehr besonnener, nachdenklicher Hund, knurrt ins Objektiv (Schneider Xenar, 1:3,5) unter leichter Anhebung der Oberlippe. Paul, ein Mops vertrauenerweckender Abstammung, verschränkt die Ohren über dem Kopf und offenbart sein Gesäß, das infolge der natürlichen Öffnung nicht zu den gängigen Motiven gehört.

Die Verweigerungsrituale bei Tier und Mensch sind demnach unterschiedlich. Auch der hingehaltene Kalbsknochen ist bei Herr und Hund nicht gleichermaßen wirkungsvoll. Und doch gelingt es dem virtuosen Photographen beim Portrait des Löwenbändigers, der sein Haupt schräg zwischen die Zähne des Zöglings bettet, auch noch die Hintergründe der Beziehung aufzuspüren und seelische Spannungsfelder im Mienenspiel der Partner nachzuweisen. Da sind Kunst und Geduld gefordert. Ein falscher Blick, das Tier schließt missgelaunt den Rachen, schon wirkt das Lächeln des Artisten seltsam abgebrochen. Ein Betriebsunfall, und doch, rechtzeitig abgelichtet, ein rares Dokument der Wahrheit: Photographenglück.

Das Tier und sein Mensch. Der Titel macht unsicher. Auf den ersten Blick vermutet man die schicksalhafte Zugehörigkeit. Auf den zweiten ist der Mensch bereits Eigentum des Tieres. Mir ist die letztere Version vertrauter. Seit Jahrzehnten bestimmen die Verdauungsrhythmen dreier Hunde das gesellschaftlich Leben der Familie. Sie zwingen uns, nach kulturell genutzter Freizeit hastig heimzukehren, nötigen zum Aufenthalt im Freien, nächtlich bei ungünstiger Witterung.

Stefan Moses, der Photograph und Psychologe, kennt diese einseitige Betrachtungsweise nicht. Mit zarter Hand begleitet er das empfindliche Miteinander, ohne Gut und Böse, Tragik oder Komik zum Programm zu machen. Mit jedem Photo erzählt er eine Geschichte aus der Manege des verlorenen Paradieses, vielleicht in der Hoffnung, dass einmal Tier und Mensch gemeinsam durch den Reifen springen.

Loriot

THE ANIMAL AND ITS HUMAN BEING / DAS TIER UND SEIN MENSCH
Stefan Moses © archiv stefan moses
"Ernst Jünger mit Schildkröte Hebe" 1997
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST
THE ANIMAL AND ITS HUMAN BEING / DAS TIER UND SEIN MENSCH
Stefan Moses © archiv stefan moses
"Kind und Löwin", Nürnberg 1968
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST