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Performing the Body - Photography and Performance from China
Chi Peng Sprinting Forward-2 2004

Performing the Body - Photography and Performance from China

HAI Bo » CHEN Lingyang » MA Liuming » CHI Peng » SHAO Yinong & MU Chen » MIAO Xiaochun » CANG Xin »

Exhibition: 18 Nov – 23 Dec 2004

Alexander Ochs Galleries Berlin I Beijing

Sophienstr. 16
10178 Berlin

ALEXANDER OCHS PRIVATE

Schillerstr. 15
10625 Berlin

+49 (0)30-45 086 878


www.alexanderochs-private.com

Tue-Fri 12-18, Sat 10-16

Performing the Body - Photography and Performance from China
Miao Xiaochun Fliegen, Fly 2002

It is hard to imagine a more stirring and exciting place than China today — and contemporary Chinese art production is profiting greatly from this fact. Rapid globalisation, consumption and new forms of media have had an unusually explosive impact on traditional local cultures, creating a fertile atmosphere for a renewal of the arts in particular. The meeting of old and new has given rise to unique forms of artistic expression, and it continues to do so today. At the same time, photography in China has become the primary medium for documenting and interpreting the changes that are taking place. In the past, photography was used solely as an instrument of propaganda, but in a very short time it has been integrated into other artistic disciplines such as painting, installations and performance art, and today it plays a key role in contemporary Chinese art. A central and unmistakable theme in the work of most artists is the individual and his/her body — though this theme is not treated in the traditional Western manner, i.e. as a portrait, nude or figure within a landscape. Rather, the body seems to represent a primeval basis, upon which the artist projects the physical and mental changes of the environment, which are oftentimes experienced as oppressive. For instance, performance art in particular, which uses the body as a vehicle and a metaphor and is frequently accompanied by photography, is a typical and frequently seen art form. Representations of the body that are similar to performance art have the same fundamental subject matter, though these representations also always give indications of the individual focus and social situation of the artist. The presence of the body again and again also points to the relationship between the individual and the group. While individuality is the pillar of Western identity, any thought of self-realisation in China has been strictly forbidden in China since well before Mao, in the era of Confucianism. Reflections on the autonomy of the individual body therefore have a much more political meaning in China than in the West. Thus these works also reflect the need for new concepts of self-image and personal identity in China today. _______deutsch_________ Man kann sich kaum ein aufwühlenderes und anregenderes Land als das heutige China vorstellen – und die zeitgenössische, chinesische Kunstproduktion profitiert davon in besonderem Maße. Rasche Globalisierung, Konsum und neue Formen von Medien sind mit außergewöhnlicher Wucht auf traditionelle, lokale Kulturen geprallt und haben eine fruchtbare Atmosphäre gerade auch für eine Erneuerung der Künste geschaffen. Obwohl traditionelle künstlerische Konzepte und Stile noch immer dominant sind, haben sich – ähnlich wie das Land eine beispiellose Flut von Reformen und Öffnungen erfahren hat – in den letzten beiden Jahrzehnten eine Reihe neuartiger Konzepte und Experimente ausbreiten können. Das Zusammentreffen von Neuem und Altem vermochte und vermag einzigartige Wege künstlerischen Ausdrucks hervorzubringen. Gleichzeitig wurde die Fotografie, die sich seit den 90er Jahren weltweit wachsender Popularität erfreuen konnte, auch in China zum vorrangigen Medium der Dokumentation und Interpretation der Umbrüche. Zuvor ausschließlich als Propagandainstrument genutzt, gelang es ihr innerhalb kürzester Zeit, andere Kunstpraktiken wie Malerei, Installation und Performance zu durchdringen und eine Schlüsselrolle in der zeitgenössischen chinesischen Kunst einzunehmen. Zentraler und unausweichlicher thematischer Gegenstand im Schaffen der meisten Künstler ist der Mensch und sein Körper – wenn er auch nicht in der traditionell westlichen Weise, das heißt als Porträt, Akt oder in die Landschaft integrierte Figur auftaucht. Der Körper scheint vielmehr eine Art Urgrund darzustellen, auf den die Künstler die nicht selten als gewaltsam empfundenen, physischen und mentalen Veränderungen ihres Umfelds projizieren. So ist gerade die Performance, die den Körper als Vehikel und Metapher nutzt, und ihre Begleitung durch die Fotografie eine typische und häufige Erscheinung, die mit der wachsenden Forderung junger Chinesen nach persönlicher und politischer Befreiung zusammenfällt. An Performance angelehnte Inszenierungen des Körpers – speziell für die Aufnahme eingenommene oder durch digitale Montage erzielte Posen – sind im Grunde genommen gleichen inhaltlichen Ursprungs, lassen jedoch immer auch die individuellen Schwerpunkte der Künstler und ihre soziale Situtation erkennen. Mit der Präsenz des Körpers klingt in den Arbeiten wieder und wieder auch das Verhältnis von Individuum und Gruppe an. Während Individualität die Säule westlicher Identität ist, wurde in China schon lange vor Mao mit dem Konfuzianismus jeder Wunsch nach Selbstentfaltung strengstens untersagt. Reflexionen über die Autonomie des indivudellen Körpers haben daher in China eine deutlich politischere Bedeutung als im Westen. So reflektieren diese Werke auch die Notwendigkeit neuer Konzepte des Selbstverständnisses und persönlicher Identität im heutigen China. Chinesische Künstler sind faszniert von der eigenen Geschichte und Kultur und reflektieren diese vor allem konzeptuell. Ihre Arbeiten sind provokativ, voller komplexer Emotionalität und kristallisieren auf mysteriöse Weise die aktuelle Stimmung ihrer Kultur. Eine rein sachliche, um Objektivität bemühte Wiedergabe der Verhältnisse, wie sie etwa in Deutschland eine lange Tradition hat, sucht man dort fast vergeblich. Bei den vorgestellten Arbeiten handelt es sich weniger um Bilder bestimmter Orte oder Situationen, als um verschiedene Arten von Metaphern. Sei es durch Dokumentation oder durch eine eher surreale Herangehensweise, die Künstler transformieren ihre Erfahrungen bewusst zu visuell stimulierenden Bildern, die den Erscheinungen des physischen Umfeldes neue Bedeutungsebenen eröffnen. Die Arbeiten, oft ehrgeizig im Format und experimentell in der Form, liefern schließlich eine ganze Bandbreite an individuellen Antworten auf den Wandel, der sich im heutigen China wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell vollzieht. Claudia Stein

Performing the Body - Photography and Performance from China
Ma Liuming Fen-ma liuming Selbstportrait 5 1996