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Zeitlos schön
John Rawlings, American Vogue, August 1944
© Condé Nast/John Rawlings

Zeitlos schön

100 Jahre Modefotografie von Man Ray bis Mario Testino

Diane Arbus » Cecil Beaton » Erwin Blumenfeld » Clifford Coffin » Corinne Day » Horst P. Horst » George Hoyningen-Huene » Sebastian Kim » William Klein » Peter Lindbergh » Man Ray  » Sarah Moon » Helmut Newton » Norman Parkinson » Irving Penn » John Rawlings » Herb Ritts » Edward Steichen » Mario Testino » Tim Walker » Albert Watson » Bruce Weber » & others

Exhibition: 18 Aug – 4 Nov 2012

Fri 17 Aug 19:00

C/O Berlin

Hardenbergstr. 22-24
10623 Berlin

+49 (0)30-28444160


www.co-berlin.org

Daily 11-20

Zeitlos schön
© Sebastian Kim

Verführerisch, provokativ, banal, exzentrisch und vor allem mächtig- Modefotografie ist schon lange nicht mehr nur reine Auftragsarbeit und ästhetisierende Dokumentation. Vielmehr ist sie ein einzigartiges Experimentierfeld zwischen Kommerz und Kreativität, zwischen Mainstream und Subkultur, zwischen Industrie und Kunst. So paradox sie in ihrem Wesen und ihrer Umsetzung auch erscheinen mag, seit Anbeginn der Fotografie ist sie ein wichtiger Teil unserer visuellen Kultur. Wie kein anderes Genre hält die Modefotografie nicht nur den Zeitgeist der jeweiligen Dekaden, individuelle Sehnsüchte und gesellschaftliche Träume fest, sondern beeinflusst, regt an und fordert zur Partizipation und Nachahmung auf. Welch soziologische Dimension! Diese enorme Wirkungskraft hat der legendäre Verleger Condé Nast früh erkannt und für seine Magazine wie Vogue und Vanity Fair einen bis heute prägenden Stil entworfen. Seine Publikationen haben die Haute Couture erst zur Kunst erhoben. Mit seinem einzigartigen Gespür für die Entdeckung neuer Talente hat er die besten Fotografen entdeckt, die Karrieren renommiertester Modefotografen gefördert und damit ein ganzes künstlerisches Genre nachhaltig geprägt.

Kein anderes Segment der Fotografie hat so umfangreich und permanent neue Bilder generiert und sich immer wieder neu erfunden. In der Modefotografie wurden oft als erstes neue Bildsprachen und Ästhetiken erprobt, eng verbunden mit der Weiterentwicklung der Technik. Interessanterweise wurde seit den Anfängen der Modefotografie das Objekt selbst, die Mode, zunehmend aus dem Fokus verdrängt. Stattdessen wurde die Bildsprache des Fotografen immer dominanter, opulent inszenierte Bildkompositionen und aufwendige visuelle Gestaltungen immer wichtiger und die Bedeutung der Models nahm stark zu. So war und ist das Produzieren von reinen Modeaufnahmen nicht ausreichend - innovative, unverwechselbare Styles, Trends und Images mussten kreiert, immer neue Themen und Tabus gebrochen werden. Heutzutage sind die Grenzen zur kommerziellen Fotografie auf der einen und künstlerischen Praktiken auf der anderen Seite fließender - immer häufiger werden klassische Modefotografien auf dem Kunstmarkt gehandelt.

Der Condé Nast Verlag hat erstmals seine Archive in New York, Paris, London und Mailand geöffnet und Einblicke in eine Fotosammlung höchsten Ranges gewährt. Die Ausstellung gibt einen repräsentativen Überblick über das Genre und zeichnet die Entwicklung der Modefotografie nach - von den klassischen Bildkompositionen der Gründungsväter wie Edward Steichen und George Hoyningen-Huene über die experimentelle Fotografie von Erwin Blumenfeld und Irving Penn, der Sexualisierung und des Voyerismus von Helmut Newton, der Cool Elegance von Peter Lindbergh bis hin zu neuesten Arbeiten von Mario Testino und Tim Walker. Es zeigt nicht nur Modefotografien, sondern auch Verlagsgeschichte und Etablierung eines Mediums und dessen Wandlungen. In der Ausstellung sind zudem Werke von Cecil Beaton, Man Ray, Diane Arbus, Horst P. Horst, William Klein, Sarah Moon, Albert Watson, Herb Ritts, Bruce Weber, Corinne Day und weiteren Fotografen vertreten.

Seit seiner Gründung 1909 hat der Condé Nast Verlag nicht nur Printmedien wie Vogue, Vanity Fair und Glamour etabliert, sondern über mehr als 100 Jahre das Bild von Mode und des Menschen mitgeprägt. Durch diese lange verlegerische Tätigkeit haben sich Unmengen von Fotografien in den Archiven des Verlags angesammelt, die mit Etablierung des Digitalen nicht entsorgt wurden, sondern einen einzigartigen Fundus bilden, aus dem diese Ausstellung entstanden ist. Innerhalb der Modefotografie gibt es kein Archiv, das mit historischer Kontinuität die Ursprünge des Genres so vielseitig, tiefgehend und global belichten kann.


Aus diesem bedeutenden, historischen Bestand hat die Kuratorin Nathalie Herschdorfer eine Essenz aus 100 Jahren Modefotografie zusammengestellt - von seltenen Fotografien der Anfänge bis hin zu spektakulären zeitgenössischen Werken. Die Ausstellung umfasst über 150 Vintage-Prints sowie originale Magazine, die noch nie zuvor präsentiert wurden. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Prestel.

Zeitlos schön
Norman Parkinson, Glamour, October 1949
© Norman Parkinson Limited. Courtesy Norman Parkinson Archive
Zeitlos schön
Clifford Coffin, American Vogue, June 1949
© Condé Nast/Clifford Coffin
Zeitlos schön
Erwin Blumenfeld, American Vogue, March 1945
© Condé Nast/Erwin Blumenfeld