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NATURALLY VISIBLE
Vilde Salhus Røed Photo credits: Pål Hoff

NATURALLY VISIBLE

Vilde Salhus Røed » Johanna von Monkiewitsch »

Exhibition: 30 Nov 2015 – 16 Jan 2016

Sat 28 Nov 18:00 - 22:00

Galerie Jette Rudolph

Strausberger Platz 4
10243 Berlin
Tue-Sat 11-17, Sat 11-14 +

Feldbusch Wiesner Rudolph

Jägerstr. 5
10117 Berlin

+49 (0)30-69504142


www.feldbuschwiesnerrudolph.de

Thu+Fri 12-18, Sat 11-16

NATURALLY VISIBLE
Johanna von Monkiewitsch Photo Credit & Courtesy: Galerie Berthold Pott, Köln

"NATURALLY VISIBLE"
Vilde Salhus Røed & Johanna von Monkiewitsch

Ausstellung: 30. November 2015 bis 16. Januar 2016
Eröffnung: 28. November, 18-22 Uhr

Das fotografische Bild wird - abhängig von der diskursiven Praxis in welchem es verwendet wird - oftmals einem funktionalen und gewünschten Weltbezug unterworfen. Umfassender jedoch weist das Medium in seinen fotografischen und -chemischen Prozessen darüber hinaus verschiedene Modi der Erschließung von Wissen auf. Ausgehend von den Strukturen von Objekt und Abbild sowie Farbe, Licht und Zeit versammelt die Ausstellung Naturally Visible zwei künstlerische Positionen, welche jene erkenntnistheoretischen Dispositive sichtbar formen und dinghaft manifestieren.

Die Ausstellung mit Vilde Salhus Røed (*1981 in Bergen, lebt & arbeitet in Bergen, Norwegen) und Johanna von Monkiewitsch (*1979 in Rom, lebt & arbeitet in Köln) stellt zwei künstlerische Positionen gegenüber, welche in ihrer jeweiligen tautologischen Herangehensweise die Ansätze der konkreten und generativen Fotografie (Begriffe nach Gottfried Jäger) fruchtbar machen und weiterentwickeln.

Ausgehend von der Fotografie und durch die Subtraktion der zunächst wesentlich erscheinenden Faktoren des abbildenden Mediums, nämlich der obligatorischen Referenzbezogenheit sowie der Abbildungsfunktion, treten zwangsweise die eigentlichen Bedingungen des Mediums in Erscheinung. Durch den Bruch mit der Einheit von Referenz und Bild wird das innere strukturelle Band des funktionalen Prozesses aus Licht und Schatten sowie Zeitlichkeit und Räumlichkeit, welches das Medium in seiner Form zusammenhält und erfahrungsgemäß peripher im Inneren des fotografischen Prozesses stattfindet und daher unsichtbar bleibt, äußerlich konkretisiert. Gerät das fotografische Bild auf diese Weise in den Dialog mit sich selbst, resultiert das Medium in der Materialisierung von Licht und Schatten, und damit einhergehend werden Farbe und Schatten als Phänomene sichtbar und dinghaft ausgeformt. Anstatt ein Bruchstück der Wirklichkeit wiederzugeben, lassen sich in freier Form die technischen Mittel der Erzeugung im instrumentellen Vorgehen den autonomen künstlerischen Ansätzen unterwerfen. In Folge dessen werden die herkömmlichen Erfahrungs- und Wahrnehmungsstrategien durch die Methoden differenzierter Sektion und Selektion der Funktionsweisen der Fotografie als zufällig entlarvt und freigestellt. In einen neuen Kontext übertragen, existieren sie als auto-phänomenale Repräsentationen wahlweise in verschiedenen medialen Formulierungen und deren Hybriden von Bild, Malerei, Objekt, Skulptur o.ä. und somit gleichermaßen auch jenseits des vormals ausschliesslich Fotografischen.

Mit der Annäherung an eine unsichtbare und verdrängte Wirklichkeit in den Bildern organisiert und strukturiert Vilde Salhus Røed die medieninhärenten Mechanismen von Farbe und Licht, um so einen kritischen Weltbezug herzustellen. Dabei nutzt die Künstlerin die zeitlichen Gesetzmäßigkeiten der Belichtung und überführt diese in unterschiedliche Sichtbarkeiten. Mit der Serie der Prøvestriper / Test Strips erscheinen farbliche Abstufungen auf dem Fotomaterial, welche sich aus vorher festgelegten Belichtungsintervallen und -einstellungen ergeben. Gleichzeitig verweisen ihre Arbeiten mit Bezug auf ophthalmologische Tests auf die vagen optischen Verlässlichkeiten. Die vier mit Wolle bestickten Holztafeln der Arbeit I don't see that the Colours of Bodies reflect Light into my Eye referieren auf einen Sehtest zur Ermittlung des Farbsinns, eigens entwickelt von einem norwegischen Augenarzt um 1800, und richten sich strukturell nach der physiologischen Aufnahme und Verarbeitung von visuellen Reizen und den Gesetzmäßigkeiten und Mechanismen des rezeptiven Feldes der Netzhaut des menschlichen Auges.

NATURALLY VISIBLE
Vilde Salhus Røed Photo credits: Cameron MacLeod / Platform Stockholm

Durch die konstruktiven Grundelemente von Licht und Schatten gelangt Johanna von Monkiewitsch zu minimalistischen Arbeiten, welche gleichsam als Bild und Objekt im Bezugssystem von Zwei- und Dreidimensionalität zwar in gegenseitiger Abhängigkeit entstehen, jedoch keine feste Zuordnung mehr erkennen lassen: Die großformatigen, monochromen Papierarbeiten stellen durch gesetzte Faltungen eine skulpturale Behauptung auf. In einer Werkserie winkelförmiger Betonobjekte fixiert die Künstlerin illusionistisch gesetzte Schattierungen mittels Pigment und verortet die Skulpturen damit in der von ihr ausgewählten räumlich und zeitlich autarken Lichtsituation. Den Aspekt der Vergänglichkeit greifen die Doppel-Farbfelder auf, deren monochrome, schraffierte Rechtecke zunächst als wechselseitig reproduzierte Duplikationen erscheinen, welche sich jedoch durch ihre unterschiedliche materielle Beschaffenheit zunehmend verändern werden: Während das obere Farbfeld, das Original, mit einem Copic-Marker aufgetragen wurde und dem Licht ausgesetzt zunehmend verblassen wird, ist zu erwarten, dass die Reproduktion der obigen Originalschraffur mit hochwertiger Pigmentfarbe im unteren Bildfeld noch lange bestehen bleibt.

Die stringenten künstlerischen Erzählungen und Betrachtungen von Ursachen, Wirkungen und Mechanismen veranschaulichen die schiere Unwahrscheinlichkeit von Eindeutigkeiten und Verlässlichkeiten der Wahrnehmung und lassen damit die Wahrheitsfrage zunehmend in bloßer Relativität erscheinen. Denn der Versuch, die Wirklichkeit in eine festgelegte Konstruktion zu zwängen, muss letztlich an der Realität selbst scheitern. So vermittelt der Umfang jener bemerkenswerten Unwahrscheinlichkeiten die ausserhalb einer tradierten Wahrnehmungsskala liegen und welche sich erst durch den Blick in die Peripherie zeigen eine geradezu reichhaltige Alternativpalette. Über das "Reale" oder das "Wirkliche" zu sprechen - vorausgesetzt man kann sich über diese Begriffe überhaupt eindeutig verständigen - erweist sich dementsprechend als prekär und zweifelhaft. Doch als kritische Instanz ist "ein Gebilde, das wie ein Kunstwerk aus einem ästhetischen Prozess hervorgeht [...] weder wahr noch falsch, es suspendiert die Wahrheitswerte; denn es vermittelt keine Kenntnis, sondern erschließt gerade wesentlich den Bereich einer Unkenntnis, einer Überraschung, einer Unwahrscheinlichkeit, einer Innovation und lässt sie durchaus als solche bestehen [...]" (Max Bense: Ungehorsam der Idee)
Text: Ellen M. Martin

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Johanna von Monkiewitsch Photo Credit & Courtesy: Galerie Berthold Pott, Köln