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Die Ostdeutschen
Auf dem Rummelplatz, Berlin, 1969 © Roger Melis Nachlass

Roger Melis »

Die Ostdeutschen

Fotografien aus drei Jahrzehnten DDR

Exhibition: 12 Apr – 28 Jul 2019

Thu 11 Apr 19:00

Reinbeckhallen

Reinbeckstr. 9
12459 Berlin
Thu, Fri 16-20; Sat, Sun 11-20

Stiftung Reinbeckhallen Sammlung für Gegenwartskunst

Reinbeckstr. 11
12459 Berlin

+49 (0)30-20393111


stiftung-reinbeckhallen.de

Mon-Thu 11-17

Die Ostdeutschen
Eva-Maria Hagen, Berlin, ca. 1965 © Roger Melis Nachlass

Roger Melis
"Die Ostdeutschen – Fotografien aus drei Jahrzehnten DDR"


Ausstellung: 12. April bis 28. Juli 2019
Eröffnung: Donnerstag, 11. April, 19 Uhr

Die Ausstellung findet in Kooperation mit der LOOCK Galerie und dem Roger Melis Archiv statt.

Kaum ein zweiter Fotograf hat die Ostdeutschen und ihre Lebenswelt so lange, so intensiv und in so vielen Facetten beleuchtet wie Roger Melis (1940-2009). Drei Jahrzehnte lang bereiste der Mitbegründer und Meister des ostdeutschen Fotorealismus von Berlin aus die DDR als ein Land, das er unter der Herrschaft der SED oft als "still" und erstarrt empfand. In dichten, oft symbolhaften Fotografien dokumentierte er das alltägliche Leben der Menschen in Stadt und Land, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen, aber auch die mehr oder weniger freiwillig absolvierten politischen Rituale im realen Sozialismus.

Eindringliche Fotografien von Schriftstellern und bildenden Künstlern machten Melis bereits in den 1960er Jahren in Ost und West bekannt. Viele seiner Autorenporträts, etwa von Anna Seghers, Heiner Müller, Christa Wolf, Sarah Kirsch oder Wolf Biermann, prägten fortan in Zeitungen und Zeitschriften, in Büchern und Kalendern, auf Plakaten und Schallplattenhüllen das "Gesicht" der ostdeutschen Kultur mit und gehören heute zu den Klassikern des Genres.

Mit der gleichen Sorgfalt porträtierte Melis Menschen aus nahezu allen sozialen Bereichen, Arbeiter und Betriebsdirektoren, Bauern und Waldarbeiter, Handwerker und Händler, Kinder und Halbstarke, Funktionäre und Dissidenten. Ähnlich wie August Sander in der Zwischenkriegszeit gelang Melis so im Laufe der Jahrzehnte ein fotografischer Querschnitt durch nahezu alle Schichten der Bevölkerung im Osten Deutschlands. Er suchte die Menschen am liebsten dort auf, wo sie arbeiteten und begegnete allen mit dem gleichen Respekt. Seine Porträts der Ostdeutschen zeigen keine Typen und suchen niemanden zu entlarven, sie nähern sich den Menschen behutsam und zeigen sich offen für die Verschiedenheit ihrer Erfahrungen.

Den einfühlsamen Porträts stehen vielfach in eigenem Auftrag entstandene Reportagen und bestechende Milieustudien zur Seite, die gemeinsam ein umfassendes und vielschichtiges Bild der DDR entwerfen. Die Bilder erzählen vom Stolz und Selbstbewusstsein der Ostdeutschen, lassen Zeichen von Skepsis und Resignation, aber auch Trotz und den wachsenden Mut erkennen, der das System schließlich mit zum Einsturz brachte.

Die von der Stiftung Reinbeckhallen ausgerichtete und von Mathias Bertram kuratierte Ausstellung umfasst rund 170 Aufnahmen und ist damit die bislang umfangreichste Retrospektive der DDR-Fotografien von Roger Melis. Neben bereits klassischen Aufnahmen werden erstmals viele bislang unbekannte Fotografien aus dem Nachlass des 2009 verstorbenen Fotografen präsentiert.

Die Ausstellung wird begleitet von dem neuen Fotoband "Die Ostdeutschen" sowie einer zweisprachigen Neuausgabe des lange Zeit vergriffenen Kultbuches "In einem stillen Land". Die beiden im Lehmstedt Verlag erschienene Bildbände sind während der Ausstellungsdauer gemeinsam im Schuber zu einem reduzierten Sonderpreis erhältlich.

Die Ostdeutschen
Wolf Biermann als preußischer Ikarus, Berlin, 1972 © Roger Melis Nachlass

Roger Melis, geboren 1940 in Berlin, wuchs im Haushalt des Dichters Peter Huchel im Berliner Westen und ab 1952 in Wilhelmshorst bei Potsdam auf. 1960 schloss er eine Lehre als Fotograf ab und fuhr anschließend für ein halbes Jahr als Schiffsjunge zur See. Von 1962 bis 1968 arbeitete er als wissenschaftlicher Fotograf an der Berliner Charité. Ab 1962 entstanden seine ersten Porträts von Dichtern und Künstlern, ab 1963 Reportagen und ab 1968 Modefotografien.

1968 wurde Roger Melis Mitglied im Verband Bildender Künstler und als freiberuflicher Fotograf zugelassen. Zusammen mit Arno Fischer, Sibylle Bergemann u.a. gründete er 1969 die Fotogruppe Direkt. In den folgenden Jahren konzentrierte er sich auf seine Arbeit als Porträt-, Reportage- und Modefotograf für Sibylle, Neue Berliner Illustrierte, Wochenpost, Die Zeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Geo und verschiedene Verlage in Ost und West.

Roger Melis war Mitinitiator und seit 1981 Vorsitzender der Zentralen Arbeitsgruppe Fotografie im Verband Bildender Künstler. Wegen eines gemeinsamen Beitrags mit Erich Loest für die Zeitschrift Geo erhielt er von 1981 bis 1989 eine Auftragssperre für die DDR-Presse, so dass er sich verstärkt Buch- und Ausstellungsprojekten zuwandte. Er hatte von 1978 bis 1990 einen Lehrauftrag an der Kunsthochschule Weißensee inne, 1993 bis 2006 war er Lehrer für Fotografie beim Lette-Verein Berlin. Roger Melis war seit 1970 mit der Modejournalistin Dorothea Bertram verheiratet. Er verstarb im Herbst 2009 in Berlin.

Die Ostdeutschen
Parade der Roten Armee zum Tag der Befreiung, Berlin, 1965 © Roger Melis Nachlass
Die Ostdeutschen
Roger Melis, Indianer, Hoppenrade, 1974 © Roger Melis Nachlass