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Aus dem Zephyrischen Fundus
Bettina Gruber: La Dirigieuse, 2014

Bettina Gruber »

Aus dem Zephyrischen Fundus

Retrospektive

Exhibition: 10 Mar – 24 Apr 2019

Sun 10 Mar 11:00

Kunsträume der Michael Horbach Stiftung

Wormser Str. 23
50677 Köln

+49 (0)221-29993378


www.michael-horbach-stiftung.de

Wed+Fri 15:30 - 18:30, Sun 11-14

Aus dem Zephyrischen Fundus
Bettina Gruber: Muschelleuchter, 2017 (Photo Petra Hartmann)

Bettina Gruber
"Aus dem zephyrischen Fundus"
Retrospektive


Ausstellung: 10. März bis 24. April 2019
Eröffnung: Sonntag, 10. März, 11 Uhr

Das Kunstzentrum der Michael Horbach Stiftung zeigt Arbeiten von Bettina Gruber erstmals in Form einer umfassenden Werkschau. Ende der 1960er, Anfang der 70er Jahre studierte Gruber bildende Kunst in Berlin und London und lebt seither in Köln. Ihre Arbeitsbereiche sind Videokunst, Installationen, Objekte und die inszenierte Photographie.

Der Ausstellungstitel "Aus dem zephyrischen Fundus" bezieht sich auf die Windgottheit Zephyr, der in der Antike als Frühlingsbote und "Reifer der Saaten" verehrt wurde.

Die Schau bietet einen Querschnitt von Werken aus mehr als vier Jahrzehnten. Die in den frühen 1970er Jahren selbstverständliche enge Verknüpfung von Kunst und Leben bildet einen roten Faden. Die Künstlerin verwendet sie umgebende Dinge: Hunde, Pflanzen, Licht, Boote, deren Modelle und schließlich auch sie selbst sind Protagonisten ihrer wortlosen Erzählungen.

Bettina Gruber präsentiert ihre Arbeiten in vier atmosphärisch unterschiedlichen Räumen: Saal der Eitelkeiten, Salon der Huldigung, Rumpelkammer der Erleuchtung und Kabinett der Zwischenwelt. Die Besucher werden zu Wanderern zwischen Bettina Grubers Welten.

Aus dem Zephyrischen Fundus
Bettina Gruber: Tulpentisch, 2016

Raum 1: Saal der Eitelkeiten
Im ersten Raum verweist bereits der Titel "Saal der Eitelkeiten" auf Doppelbödigkeit. So zeigt Bettina Gruber sich einerseits in einer Photoarbeit aus dem Jahr 1974 als strahlender junger Gigolo und 44 Jahre später als abgekämpfter Samurai mit Fächer und Schwert, beiden gemeinsam die Zwischenwelt des Androgynen. In der Videoprojektion "Gli Davidi - keine Langeweile mit schönen Männern" aus dem Jahr 1976 präsentiert sie sechs schöne Männer, deren Schmelz der Jugend unveränderlich und für immer gebannt ist. Auch in den Bildern eines angeketteten Affen, eines melancholischen Hundes vor einem Glas Rotwein, eines Pferdes auf dessen Rücken eine Frau schläft, widersetzt sich der festgehaltene Moment der Vergänglichkeit.

Raum 2: Salon der Huldigung
Der zweite Ausstellungsraum widmet sich mit Installationen und Photoarbeiten der Natur und Pflanzenwelten. Zu sehen sind Stillleben, Blumenstücke mit Tulpen, dem "Gold der Niederländer", die im modrigen Verfall duftend an die Vergänglichkeit erinnern. Werden und Vergehen nehmen sinnfällige Gestalt an und lassen die Betrachter das eigene, verlorene Paradies erschauen: äußere Ansichten, innere Landschaften.

Raum 3: Rumpelkammer der Erleuchtung
Dieser Raum thematisiert die nächtliche Wirklichkeit unseres Daseins. Das Dunkle herrscht vor und trifft auf Ruhe und Stille. Ein fahles Mondlicht, ein leerer Stuhl oder ein wassergefüllter Eimer, dessen angestrahlte Oberfläche zwei Schatten wirft: Augen an der Wand. Als großes Objekt zeigt Gruber hier einen ihrer »Muschelleuchter«. Zerschlagene Fragmente aus Klarglas, Kannen, Wein- und Likörgläsern. Die Bruchstücke sind mit Draht nach dem Vorbild klassischer Kronleuchter zu einem Lichtobjekt zusammengefügt. Tausendfach bricht sich das Licht: praktische Illumination und künstlerische Erleuchtung in einem.

Raum 4: Kabinett der Zwischenwelt
Der letzte Saal widmet sich ganz dem Phantastisch-Paradoxen: verkehrte Welt – erdachte Wirklichkeit. Bettina Gruber zeigt hier unter anderem ihre Photomontage eines Kreuzrippengewölbes, Merkmal romanischer und gotischer Architektur, mit einer Sternenkarte. Himmelskörper und Sternzeichen sind umbenannt. So funkelt "Zukunft" kosmisch, es leuchtet der "Mops", "Agnes" strahlt und "Island" schimmert. Die Arbeit "Firmament" aus dem Jahre 2009 steht für den Wesenskern ihrer Kunst: Die Lust am ästhetischen Spiel – Verwandlung ist das Zauberwort.

Text: Joachim Rönneper

Aus dem Zephyrischen Fundus
Bettina Gruber: Firnament, 2009