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Patrick Waterhouse »

REVISIONS

made by the Warlpiri of Central Australia and Patrick Waterhouse

Exhibition: 8 Dec 2023 – 7 Apr 2024

Thu 29 Feb

Rautenstrauch-Joest-Museum

Cäcilienstr. 29-33
50667 Köln

+49 (0)221-22131356


www.rautenstrauch-joest-museum.de

Tue-Sun 10-18, Thu 10-20

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REVISIONS: made by the Warlpiri of Central Australia and Patrick Waterhouse

Ausstellung: 8. Dezember 2023 bis 7. April 2024
Eröffnung: Donnerstag, 7. Dezember, 19 Uhr

Kann die Kunst unser Verständnis der Vergangenheit verändern? Können wir die Dokumente, die die Geschichte geprägt haben, revidieren? Wie können Australian First Peoples mit künstlerischen Mitteln die Deutungshoheit zurückgewinnen?

In den vergangenen acht Jahren haben Gruppen von Warlpiri-Künstler*innen in Zentralaustralien in Zusammenarbeit mit dem britischen Künstler Patrick Waterhouse eine Sammlung von Landkarten, Flaggen, Fotografien, Comic-Illustrationen und anderem Archivmaterial überarbeitet. Dadurch sind künstlerische Positionen entstanden, die neue Zugänge zu bisher meist verdeckten oder unbekannten Sichtweisen bieten.

Das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) in Köln zeigt die bisher größte Ausstellung dieser Arbeit "REVISIONS made by Warlpiri of Central Australia und Patrick Waterhouse". Sie wurde in den Warlukurlangu Art Centres in Yuendumu und Nyirripi kuratiert und umfasst u.a. Arbeiten, die sich direkt mit dem Archiv des Rautenstrauch-Joest-Museums auseinandersetzen. Erstmals wird dazu das neue Zwei-Kanal-Video-Kunstwerk "The True Story" präsentiert.

Trotz Kolonialisierung haben die Warlpiri-(Sprach-)Gruppen ein dauerhaftes philosophisches Weltbild bewahrt, das durch komplexe zeremonielle Traditionen und künstlerische Praktiken geprägt ist. Im Jahr 2014 reiste Patrick Waterhouse zum ersten Mal in das Warlpiri-Gebiet. Er hatte seit 2011 in Zentralaustralien fotografiert und nach und nach Dokumente erworben, die die Kolonialgeschichte Australiens zurückverfolgen lassen. Waterhouse präsentierte diese Fotografien zusammen mit Archivmaterial aus Museen und Auktionshäusern den Mitgliedern der Warlukurlangu Art Centres in den Gemeinden Yuendumu und Nyirippi. Er lud sie ein, die Dokumente mit der traditionellen Technik der Punktmalerei der Warlpiri zu überarbeiten, die von fast der Hälfte der Gemeinde praktiziert wird.

In Worten von Otto Jungarrayi Sims, ehemaliger Vorsitzender der Warlukurlangu Artists: "Als die weißen Entdecker ihre Landkarten erstellten, zerschnitten sie dieses Land mit willkürlichen Linien und legten Staatsgrenzen fest. Sie haben die Vielfalt der Nationen und Tribal People, die dieses Land bewohnen, nicht verstanden. Sie wussten nicht, dass wir unsere eigenen Geschichten, Songlines, Grenzen und Nationen hatten... In gewisser Weise fordern wir diese Dokumente zurück. Nicht nur die historischen Dokumente, die unser Land repräsentieren, sondern wir revidieren auch die europäische Mythologie über dieses Land."

"Wir kennen unsere wahren Karten und Geschichten", erklärt er. "Durch die Kunst können wir unsere Geschichte erzählen. Wie wir auf diesem Land gereist sind. Wie wir in dem Land überlebten. Wie wir die Wasserquellen und die natürliche Umwelt gepflegt und erhalten haben. Verschiedene Jukurrpa strahlen in alle Richtungen aus. Diese Spuren sind wie miteinander verbundene Linien quer durch das Land. Die Europäer brachten ihre Dokumente in Form von Zeitungen, Karten und Texten mit. Das ist unsere Geschichte. Wir haben kein Papier. Wir haben unsere Dokumente und unser Wissen in uns selbst. In unseren Herzen und Köpfen. In unserer Jukurrpa, unserem Gesang und unseren Zeremonien."

Die Künstler*innen im Alter von 16 bis 90 Jahren trugen auf der Grundlage ihrer eigenen Geschichten und Traditionen Schichten von Mustern und Symbolen auf die Dokumente auf. Dieser Prozess kann als ein Unkenntlichmachen, als Korrektur des Vorhandenen oder als Enthüllung von etwas betrachtet werden, das schon immer unter der Oberfläche verborgen war. Die daraus resultierenden Arbeiten konfrontieren die koloniale Erzählweise Australiens mit seiner indigenen Geschichte, die vor mehr als 50.000 Jahren begann.

REVISIONS
Satellitenbild der geheiligten Stätte Yanjirlpirri westlich von Yuendumu
nach Revision durch Otto Jungarrayi Sims, 2014–2018

Patrick Waterhouse (geb. 1981, England) ist ein Künstler, der die sich verändernde Sicht auf unsere Auffassung von der Vergangenheit erforscht. Durch Prozesse, die mit narrativen Repräsentationen spielen, werfen seine Arbeiten ein Licht auf die Konstruktion von Geschichte und ihre Ursprünge. Im Jahr 2008 begann Waterhouse mit der Arbeit an seiner renommierten Serie "Ponte City", die in Zusammenarbeit mit dem Fotografen, Videokünstler und Filmemacher Mikhael Subotzky entstand. Die beiden untersuchten das vierundfünfzigstöckige zylindrische Wohngebäude, das Johannesburg überragt. Sechs Jahre lang erforschten sie die verschiedenen Perspektiven dieser Ikone – von der Architektur bis hin zu den urbanen Legenden – und enthüllten neue und alternative Darstellungen der Geschichte des Gebäudes.

Kollaboration ist ein integraler Bestandteil von Waterhouse' Praxis, der den Verlauf seiner Projekte beeinflusst und formt. Seine Arbeit wächst durch Gespräche und Engagement mit den repräsentierten Personen und den Gemeinschaften, in denen sie leben. Für sein Projekt "Restricted Images" lebte und arbeitete Waterhouse fünf Jahre lang mit den Warlpiri-Gemeinden Yuendemu und Nyiripi zusammen. Er fotografierte sie und lud anschließend die Abgebildeten ein, ihre Bilder mit Hilfe der traditionellen Punktmalerei zu bearbeiten. Indem er die Menschen in den Prozess ihrer Darstellung einbezieht, verhandelt er mit seiner Arbeit den Begriff der Handlungsfähigkeit in Fotografie und Kunst neu.

Waterhouses Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem in: FotoMuseum, Antwerpen (2019); Albuquerque Museum, Albuquerque (2018); Kunsthal, Rotterdam (2017); The Guggenheim Museum, Bilbao (2016); National Gallery of Art, Washington D.C (2015); The Photographers’ Gallery, London (2015); The National Galleries of Scotland, Edinburgh (2014); Le Bal, Paris (2014); Biennale de Lubumbashi, DR Congo (2013); The International Center of Photography Triennial, New York (2013); Liverpool Biennial, Liverpool (2012); The Museum für Gestaltung, Zürich (2011) und South African National Gallery, Cape Town (2010). Seine Werke befinden sich in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter: Centre Pompidou, Paris; San Francisco Museum of Modern Art; Solomon R Guggenheim Museum, New York; The National Gallery of Art, Washington D.C und The Walther Collection, Neu-Ulm, Germany. Ausgezeichnet wurde "Ponte City" (mit Mikhael Subotzky) mit dem Discovery Award des Rencontres d‘Arles in 2011 und dem Deutsche Börse Photography Prize 2015.

Warlukurlangu ist nach einer Dreaming site (geheime oder geheiligte Stätte) westlich von Yuendumu benannt und bedeutet 'zum Feuer gehörend'. Warlukurlangu Artists ist eines der ältesten von Australian First Peoples selbstverwalteten Kunstzentren in Zentralaustralien. Es wurde 1985 in Yuendumu gegründet und liegt ca. 290 Kilometer nordwestlich von Alice Springs. Im Jahr 2014 wurde eine weitere Zweigstelle des Kunstzentrums in Nyirripi eröffnet, einer weiteren Warlpiri-Gemeinde, die 200 Kilometer westlich von Yuendumu liegt. Jede Person in den beiden Gemeinden Yuendumu und Nyirripi kann sich an den Aktivitäten des Kunstzentrums beteiligen. Sechs Künstler*innen installierten 1989 in Paris im Centre Pompidou für die Ausstellung "Magiciens de la terre" ("Magier der Erde"), das etwa 40 qm große Bodengemälde "Yarla Jukurrpa" (Buschkartoffel Dreaming).

Yuendumu ist eine der größten Aboriginal-Peoples-Gemeinden in der Wüste Australiens mit einer Bevölkerung von 800 bis 1.000 Personen, die fast alle einer einzigen Sprachgruppe, dem Warlpiri, angehören. Man schätzt, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung künstlerisch tätig ist. Die Kinder werden schon in jungen Jahren zum Malen angehalten.

An der Straße nach Yuendumu befindet sich das Yuendumu Men's Museum, ein steinernes Gebäude, das 1971 als Ort für zeremonielle Veranstaltungen und zur Aufbewahrung von Gegenständen und Gemälden eröffnet wurde. Von 2006 bis 2015 wurde das Museum mit Hilfe des Warlukurlangu Art Centre saniert und ist heute eine wichtige Stätte für die Kunst und das kulturelle Erbe der Warlpiri.

Die Warlukurlangu Artists Aboriginal Corporation wird von einem Exekutivausschuss geleitet, der sich aus Männern und Frauen zusammensetzt, die die Skin groups1 der Yuendumu-Gemeinschaft vertreten. Die Mitglieder des Vorstands sind täglich vor Ort, um zu malen, sich um Geschäfte zu kümmern und mit Künstler*innen, Mitarbeitenden und Besucher*innen zu kommunizieren. Die Künstler*innen beteiligen sich aktiv an der laufenden Entwicklung der Organisation. Regelmäßig finden Treffen im Kunstzentrum statt. Einkünfte aller Künstler*innen fließen in soziale, ökonomische, medizinische und Kulturerbe-Projekte sowie der Vermittlung 'zwischen den Welten' des peripheren indigenen Australiens und den vorherrschenden weißen und urbanen Gesellschaften.

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