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Bankgeheimnisse
Thomas Hoepker: Old man with his pet bird in Ritan Park, Beijing, China, 1984
© Thomas Hoepker / Magnum Photos

Bankgeheimnisse

Von skurrilen und herzerwärmenden Alltagssituationen

Ali Abbas » Eve Arnold » Bruno Barbey » Ian Berry » Robert Capa » Bruce Davidson » Stefan Draschan » Nikos Economopoulos » Alfred Eisenstaedt » Elliott Erwitt » Leonard Freed » Burt Glinn » Thomas Hoepker » Richard Kalvar » Jürgen Klauke » Barbara Klemm » Elliott Landy » Constantine Manos » Peter Marlow » Inge Morath » Ruth Orkin » Bill Perlmutter » Dimitri Soulas » Dennis Stock » Patrick Zachmann » & others

Exhibition: 14 Apr – 16 Jun 2024

Fotografie-Forum der StädteRegion Aachen

Austr. 9
52156 Monschau

+49 (0)2472-803194


www.kuk-monschau.de

Tue-Fri 14-17, Sat/Sun 11-17

Bankgeheimnisse
Ruth Orkin: Jinx Sitting by Statue, Florenz, Italien, 1951
© Ruth Orkin / Magnum Photos

"Bankgeheimnisse"
Von skurrilen und herzerwärmenden Alltagssituationen


Ausstellung: 14. April bis 16. Juni 2024
Eröffnung: Sonntag, 14. April, 12 Uhr
Mit einer musikalisch-literarischen Performance des "Theater K"

Mit rund 150 Arbeiten rückt die neue Präsentation im Fotografie-Forum Monschau ein besonderes Möbelstück in den Fokus: die Bank. Sie ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken, begegnen wir ihr doch im Park, an der Straße, im Bahnhof oder im Wartezimmer. Das Bänke Schauplätze für ganz unterschiedliche Geschichten sind, beweisen die 28 präsentierten Künstler_innen der Ausstellung. Auf der ganzen Welt haben sie Menschen auf Sitzbänken festgehalten. Ein ebenso breites Panorama bilden die fotografischen Genres: Neben klassischer Street Photography reihen sich ebenso Porträtfotos berühmter Persönlichkeiten, wie Bob Dylan oder Marilyn Monroe, und inszenierte Fotografien aneinander.

Es ist nicht die erste monothematische Ausstellung im Fotografie-Forum. Bereits im vergangenen Jahr widmete sich die Schau "The Jump" dem Motiv des Sprungs in der Fotografie. Die Fotografien der Sitzbänke zeigen nun einzigartige und für sich abgeschlossene Geschichten, die die Imaginationskraft der Betrachtenden herausfordern. Viele der dargestellten Szenen entbehren nicht einem gewissen Humor, wie die Kuratorin und Leiterin des Fotografie-Forums Dr. Nina Mika-Helfmeier betont: „Viele in der Ausstellung vertretene Fotografen lieben skurrile Alltagsszenen, aus denen sich eine natürliche, nicht erzwungene Komik ergibt.“ Barbara Klemms Arbeit Stuttgart 1972 führt zum Beispiel drei im Park schlafende Personen durch die fotografische Linse mit einer antiken Skulptur zusammen. Bei dieser unbeabsichtigten Begegnung stellt sich die Frage, welche der Figuren eigentlich lebendig ist und warum sich zwischen ihnen eine Art seltsame Verwandtschaft bemerken lässt.

Elliott Erwitts Fotografie, die am Rande eines Jahrmarkts in Kalifornien entstanden ist, besticht ebenso durch eine gewisse Komik: Auf einer Bank sind drei einzelne Frauen versammelt, die unter einem Schild mit der Aufschrift "Lost Persons Area" stehen. Aufgrund des verlorenen und fragenden Blicks einiger der Protagonistinnen bleibt unklar, ob hiermit der Sammelpunkt für entzweite Familien und Gruppen gemeint ist, oder sich das Schild als Kommentar zu den dort versammelt, ziemlich verloren wirkenden Frauen verstehen lässt. Die Bank fungiert hier als eigener Mikrokosmos im öffentlichen Raum, in dem spannende Begegnungen stattfinden, die manches Mal fast surreal anmuten.

Bankgeheimnisse
Elliott Erwitt: USA, California, 1963
© Elliott Erwitt / Magnum Photos

Dass das Sitzmöbel ebenso als Ort der inneren Einkehr fungieren kann, zeigt eindrucksvoll Thomas Hoepkers Aufnahme eines älteren Herren im Ritan Park in Beijing. Mit seiner Pfeife hat er es sich auf einer Parkbank gemütlich gemacht. Sogar seinen Vogel hat er aus dem kleinen Käfig genommen und scheint mit ihm ein geistiges Zwiegespräch zu führen. Durch die Sonne in besonders stimmungsvolles Licht getaucht, strahlt die Fotografie eine unglaubliche Ruhe aus. Sie wirft aber ebenso Fragen danach auf, wo solche Oasen in unserer heutigen hektischen Welt noch zu finden sind. Die Sitzbank dient innerhalb der Ausstellung als Ausgangspunkt, um Humorvolles, Skurriles aber auch Melancholisches sowie Aufrüttelndes zu entdecken. Da uns das Motiv nur allzu gut aus dem eigenen Alltag bekannt ist, bieten sich unzählige Anknüpfungspunkte, um tief in die Bilder einzutauchen und in einen empathischen Dialog mit den Dargestellten zu treten.

Die Arbeiten Jürgen Klaukes bilden im zweiten Obergeschoss einen Exkurs in die künstlerische Fotografie. Hier wird das Sitzmöbel – sorgsam inszeniert - zum eigenständigen Akteur im Bild und verweist nicht zuletzt auf grundlegende Fragen der menschlichen Existenz. Klaukes Werke schließen die inhaltliche Klammer der Schau, indem sie zeigen, welche Möglichkeiten das Medium der Fotografie eröffnet. Wenngleich alle präsentierten Arbeiten ein und dasselbe Motiv haben, könnte die Bandbreite der künstlerischen Inszenierungen nicht größer sein.

Teilnehmende Fotograf_innen: A. Abbas, Eve Arnold, Bruno Barbey, Sibylle Bergemann, Ian Berry, Robert Capa, Bruce Davidson, Gerti Deusch, Nikos Economopoulos, Alfred Eisenstaedt, Elliott Erwitt, Leonard Freed, Burt Glinn, Thomas Hoepker, Richard Kalvar, Jürgen Klauke, Barbara Klemm, Elliott Landy, Herbert List, Constantine Manos, Peter Marlow, Inge Morath, Ruth Orkin, Bill Perlmutter, Max Scheler, Dimitri Soulas, Dennis Stock, Patrick Zachman

Bankgeheimnisse
Barbara Klemm: Stuttgart, 1972
© Barbara Klemm
Bankgeheimnisse
Richard Kalvar: A black woman and a white woman talking, giving the impression of being angry, New York, USA, 1976
© Richard Kalvar / Magnum Photos