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Poesie der Zeit
Michael Ruetz
from Timescape 162
162.0, February 4 1991, 17:30 h
162.16, August 28 2023, 10:33 h
Pariser Platz, Berlin-Mitte
© Michael Ruetz

Michael Ruetz »

Poesie der Zeit

Timescapes 1966–2023

Exhibition: 9 May – 4 Aug 2024

Tue 28 May

Akademie der Künste

Pariser Platz 4
10117 Berlin

+49 (0)30-20057-1000


www.adk.de

Tue-Sun 11-19

Poesie der Zeit
Michael Ruetz
from Timescape 139
139.0, June 26 1990, 19:33 h
139.2, June 3 1994, 14:43 h
139.6, June 11 2006, 13:07 h
Linkstraße, Potsdamer Platz, Berlin-Mitte
© Michael Ruetz

Michael Ruetz
"Poesie der Zeit"
Timescapes 1966–2023


Exhibition: 9 May – 4 Aug 2024

Opening: Wednesday, 8 May, 7 pm

How to make visible the passage of time and transience, how to document the ruptures and changes that occur in societies and urban environments? These are the questions that Michael Ruetz – like few other artists – addresses in his work. Since the mid-60s he has observed the transformation of natural and urban habitats in locations in Berlin and elsewhere in Europe in a large-scale photographic study, capturing the changes in a series of photographic snapshots and inventory images. His Timescapes came about over a period of nearly sixty years and comprise more than 600 series made up of thousands of photos. The central concept of Timescapes is that the position and visual axis of the camera always remain the same, while only the time intervals of the photo series vary.

At the heart of the exhibition are the Timescapes of Berlin. The photo series present a particularly powerful consolidation of the far-reaching transformation of German society in the post-war period, after reunification and up to the present day. Sites of power or historical relevance such as Potsdamer Platz or the Brandenburg Gate, the Schlossplatz, Gendarmenmarkt, Berlin’s government quarters or the Berlin Wall have undergone radical change, particularly since 1989/90. Buildings and visual axes disappear or are built anew, streets are returned to previous states or renamed, squares are radically redesigned, open spaces built upon, vacant spaces given new life.

Ruetz’ images of Berlin are an expression of how architecture can shape and redefine our environment, thus giving it a prerogative of interpretation over our perception. His photo series develop their own aesthetics beyond documentary sobriety, revealing a poetry of time in the process. At the same time, Ruetz’ photos admonish us, in these times of environmental and social crises, to rethink the principles of urban planning and development.

Michael Ruetz (b. 1940) is one of Germany’s best-known photographic artists. He began his career in Hamburg on the editorial team at Stern magazine. His photographs of the APO extra-parliamentary opposition (1966–69) have now entered the collective visual memory. From 1975 on, Ruetz worked as a freelance photographer and was primarily involved in book projects. He was a professor at the HBK Braunschweig, won various awards, including the Otto-Steinert-Preis and a Villa Massimo fellowship, and was made a Commandeur l’Ordre des Arts et des Lettres in France. Ruetz is a member of the Akademie der Künste, Berlin.

Poesie der Zeit
Michael Ruetz
Timescape 1077
1077.0, April 11 1966, 11:40 h
1077.1, April 11 2002, 11:40 h
Gendarmenmarkt, Berlin-Mitte
© Michael Ruetz

Michael Ruetz
"Poesie der Zeit"
Timescapes 1966–2023


Ausstellung: 9. Mai bis 4. August 2024
Eröffnung: Mittwoch, 8. Mai, 19 Uhr

Wie lassen sich Zeit und Vergänglichkeit sichtbar machen, wie Umbrüche und Veränderungen einer Gesellschaft oder eines Stadtraumes dokumentieren?

Wie kaum ein anderer Künstler hat sich Michael Ruetz mit diesen Fragen beschäftigt. Seit Mitte der 1960er-Jahre beobachtete er in einer großangelegten fotografischen Studie den Wandel natürlicher und urbaner Lebenswelten an Orten in Berlin, Deutschland und Europa und hielt die Veränderungen in einer Folge von Bestands- und Momentaufnahmen fest. Seine "Timescapes" genannten Arbeiten entstanden in einem Zeitraum von fast sechzig Jahren und umfassen mehr als 600 Sequenzen mit tausenden von Aufnahmen. Das zentrale Konzept der "Timescapes" besteht darin, dass Standort und Sichtachse der Kamera stets dieselben sind, nur die Zeitintervalle der Bilderserien variieren.

Im Mittelpunkt der Ausstellung "Poesie der Zeit. Michael Ruetz – Timescapes 1966–2023" stehen die "Timescapes" von Berlin. Der tiefgreifende Wandel der deutschen Gesellschaft in der Nachkriegszeit, nach der Wiedervereinigung und in der Gegenwart ist in den Fotoserien besonders wirkungsvoll verdichtet. Schauplätze der Macht oder von historischer Relevanz wie der Potsdamer Platz, das Brandenburger Tor, der Schlossplatz, Gendarmenmarkt, das Regierungsviertel oder die Berliner Mauer haben vor allem seit 1989/90 eine rasante Änderung erfahren. Gebäude und Blickachsen verschwinden oder entstehen neu, Straßen werden zurückgeführt oder anders benannt, Plätze radikal umgestaltet, freie Flächen bebaut, Brachen wiederbelebt.

Ruetz’ Berlinaufnahmen erzählen davon, wie Architektur unsere Lebensräume aus- und umgestalten kann und damit eine Deutungshoheit über unsere Wahrnehmung erlangt. Dabei entwickeln seine Bilderserien eine eigene Ästhetik abseits dokumentarischer Nüchternheit und offenbaren so eine Poesie der Zeit. Zugleich mahnen Ruetz’ Bilder dazu, in einer Zeit existentieller ökologischer und sozialer Krisen, die Prinzipien von Stadtentwicklung und Städtebau neu zu überdenken.

Die "Timescapes" und ihr umfangreicher dokumentarischer Apparat gehen nun in das Michael-Ruetz-Archiv der Akademie der Künste ein und ergänzen den Vorlass des Fotokünstlers und Chronisten. In der Kunstsammlung der Akademie sowie im Archiv Bildende Kunst befinden sich unter anderem bereits die Bilder aus der APO-Zeit, wie auch die privaten Aufnahmen von Joseph Beuys und das schriftliche Archiv mit den minutiös geführten Tagebüchern und Texten zu künstlerischen oder politischen Themen.

Michael Ruetz, am 4. April 1940 in Berlin geboren, gehört zu den renommiertesten Fotokünstlern Deutschlands. Seine Karriere begann er Ende der 1960er-Jahre als Mitglied der Stern-Redaktion in Hamburg. Bekannt wurde er unter anderem durch Aufnahmen der westdeutschen Studentenbewegung. Seine Bilder aus der APO-Zeit gehören inzwischen genauso zum kollektiven Bildergedächtnis, wie seine Reportagefotos aus Griechenland zur Zeit der Militärdiktatur oder von der Nelkenrevolution in Portugal. Seit 1975 arbeitete Ruetz als selbstständiger Fotograf und realisierte vorwiegend Buchprojekte. 1976 legte er das externe Examen an der Folkwangschule Essen bei Otto Steinert und Willy Fleckhaus ab.

Sein monumentalstes Werk ist eine großangelegte fotografische Studie, in der Ruetz sich seit Mitte der 1960er-Jahre über einen Zeitraum von fast sechzig Jahren der Visualisierung von Zeit gewidmet und vor allem den vom Menschen verursachten Wandel natürlicher und urbaner Lebenswelten beobachtet hat. Entstanden sind so mehr als 600 Sequenzen, die sogenannten "Timescapes", mit tausenden von Aufnahmen. In dem dreiteiligen Projekt dokumentierte Ruetz unterschiedliche Metamorphosen von Personen und Interieurs (Facing Time, seit 1990), der Landschaft (Die absolute Landschaft, 1989–2012) und der urbanen Umwelt (Eye on Time, 1966–2023).

Ruetz hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Von 1982 bis 2007 war Michael Ruetz ordentlicher Professor für Kommunikationsdesign an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Er erhielt mehrere Preise, unter anderem 1979 den Otto-Steinert-Preis oder 1981 den Villa-Massimo-Preis. 2002 wird er zum Commandeur de L’Ordre des Arts et des Lettres ernannt.

Michael Ruetz ist Mitglied der DGPh, der GDL/DFA und seit 1998 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, in der Sektion Film- und Medienkunst. 2008 war im Rahmen des Programmschwerpunkts "Kunst und Revolte" in der Akademie der Künste am Pariser Platz Michael Ruetz’ Fotoausstellung "1968. Die unbequeme Zeit" zu sehen.

Poesie der Zeit
Michael Ruetz
from Timescape 178
178.5, June 2 1995, 12:21 h
178.6, June 9 1996, 11:24 h
178.13, November 26 2002, 14:42 h
178.18, November 9 2020, 15:28 h
Alexanderufer/Ecke Kapelle-Ufer, Berlin-Mitte
© Michael Ruetz
Poesie der Zeit
Michael Ruetz
aus Timescape 312
312.10, October 26 2002, 14:48 h
312.14, December 10 2005, 12:52 h
312.26, December 17 2015, 10:06 h
Schloßplatz, Berlin-Mitte
© Michael Ruetz