Hier können Sie die Auswahl einschränken.
Wählen Sie einfach die verschiedenen Kriterien aus.

eNews

X





Tschernobyl
Maxim Dondyuk: Chornobyl Archive, in der Sperrzone geborgenes Familienfoto

Tschernobyl

Eine Fotoausstellung aus Anlass des 40. Jahrestages der Nuklearkatastrophe vom 26. April 1986

Maxim Dondyuk » Viktoria Ivleva » Anna Jermolaewa » Volker Kreidler » Pierpaolo Mittica » Marcel Rickli » Andreas Thaler »

Exhibition: 24 Jan – 25 May 2026

Fri 23 Jan 19:00

Stadthaus Ulm

Münsterplatz 50
89073 Ulm

+49 (0)731-1617700


stadthaus.ulm.de

Mon-Sat 10-18, Thu 10-20, Sun 11-18

Tschernobyl
Chernobyl Safari, 2014 – 2023
© Anna Jermolaewa

Tschernobyl

Eine Fotoausstellung aus Anlass des 40. Jahrestages der Nuklearkatastrophe vom 26. April 1986


Ausstellung: 24. Januar 2026 bis 25. Mai 2026
Eröffnung: Freitag, 23. Januar, 19 Uhr

Kurator Volker Kreidler im Gespräch mit Marcel Rickli
auch live auf dem Stadthaus YouTube-Kanal: hier

Führung mit Kurator Volker Kreidler:
Samstag, 24. Januar, 15 Uhr

Am 26. April 1986 erschütterte die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl die Welt. Eine aus Reaktor 4 in die Atmosphäre hinausgeschleuderte radioaktive Wolke zog über ganz Europa hinweg. Ein Gebiet mit einem Radius von 30 Kilometern um das Atomkraftwerk wurde zur Sperrzone erklärt. Mittlerweile erobert sich die Natur den von Menschen verlassenen Ort so still wie hartnäckig zurück. Einige Künstlerinnen und Künstler nehmen die Entwicklung genauer in Augenschein.

"Rückblickend hat die Atomkatastrophe der natürlichen Umwelt weniger geschadet als der anhaltende Einfluss des Menschen", rekapituliert Kurator und Fotograf Volker Kreidler mit seiner Arbeit "Dritte Landschaft" eine der wissenschaftlichen Thesen.

Dem Video "Chernobyl Safari" von Anna Jermolaewa liegt die Frage zugrunde: "Ist eine Welt ohne Menschen überhaupt denkbar?". Da lautet die Antwort wohl: ja. Mithilfe von in der Sperrzone installierten Wildkameras beweist sie aufs Eindrucksvollste: die Tiere und Pflanzen unseres Planeten brauchen uns Menschen nicht.

In einem verlassenen Schulgebäude in Prypjat fand Volker Kreidler 2015 Zeugen der dort heimischen Flora vor der Kontaminierung. Dank der Halbwertszeit von Barium ist das einst von Kindern angefertigte Herbarium heute nicht mehr radioaktiv. Die Kindersammlung getrockneter Pflanzen ist ein Zeichen aus einer vergangenen Zeit. Vom Ausmaß der Katastrophe ist ihr nichts anzusehen.

Maxim Dondyuk, Pierpaolo Mittica und Victoria Ivleva wenden sich stärker den Menschen zu. Angetrieben von dem Wunsch, dass man die Menschen, die einst dort lebten, nicht vergisst, barg Dondyuk seit 2016 in den verwüsteten Häusern Zurückgelassenes – vor allem Fotos, Briefe, Filmnegative. Mittica suchte die wenigen Bewohner*innen auf, die, ohne dass man das groß zur Kenntnis nahm, ihre Häuser in den Dörfern der Sperrzone nicht verlassen haben, und auch die, die dort noch ihrer Arbeit nachgehen. Ivleva schließlich ist die Frau, die 1991 Furore machte, als sie als erste Journalistin den Reaktor 4 betreten und dort fotografieren durfte.

Tschernobyl
Sperrzone von Tschernobyl/Pripyat, 2016
© Volker Kreidler

Sehr weit in die Zukunft blickt Marcel Rickli. Mit seiner Serie AEON fragt er, wie wir heutigen Menschen sicherstellen können, dass noch die Menschen in einer Million Jahren wissen, wo sich Endlager hochradioaktiver Abfälle befinden. Es betrifft uns und die, die nach uns kommen, hier ganz besonders, denn derzeit wird untersucht, ob die Region um Ulm für so ein Endlager ausgewählt werden könnte. Die Entscheidung wird erst in 2050 erwartet...

Auch bei dem Ulmer Andreas Thaler spielt unsere unmittelbare Region eine Rolle. Vor der Kulisse der Kühltürme wurde er auf ein Blutbannkreuz aus dem Jahr 1772 aufmerksam, das zu Zeiten auch in Gundremmingen für die Gerichtsbarkeit über Leben und Tod der Untertanen stand.

Begleitend zu der Ausstellung erscheint unter dem Titel "Tschernobyl" eine Ausgabe der Reihe edition stadthaus, in der Michael Seefelder, ehemals Lokalredakteur im Verbund der Augsburger Allgemeinen, ausführlich die Geschichte des Atomzeitalters so erzählt, wie sie in Gundremmingen geschrieben wurde. Außerdem darin: Kurztexte und Bildbeispiele aller acht Künstler*innen, die zur Ausstellung beitragen. Die Publikation ist für 5 Euro im Stadthaus und in Online Shop erhältlich.

Der Beitrag von Marcel Rickli wird unterstützt von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

Tschernobyl
Gundremmingen 1980
© Andreas Thaler
Tschernobyl
Maria in ihrem Haus in dem nach der Katastrophe evakuierten, seither fast ganz
verlassenen Dorf Paryshev. Sie starb am 17. Mai 2016 im Alter von 78 Jahren.
© Pierpaolo Mittica