
© Cihan Çakmak
Cihan Çakmak »
Leaving was the only option left
Exhibition: 23 Jan – 12 Apr 2026
Thu 22 Jan 19:00

Haus am Kleistpark
Grunewaldstr. 6-7
10823 Berlin
+49 (0)30-902776964
hausamkleistpark@ba-ts.berlin.de
www.hausamkleistpark.de
Tue-Sun 11-18

© Cihan Çakmak
Cihan Çakmak
"Leaving was the only option left"
Ausstellung: 23. Januar bis 12. April 2026
Eröffnung: Donnerstag, 22. Januar, 19 Uhr
Die Künstlerin und Fotografin Cihan Çakmak beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit
verschiedenen Aspekten von Herkunft und Identität. Insbesondere im Kontext
ihrer deutsch-kurdischen Biografie bewegt sie sich in einer kritischen Auseinandersetzung zwischen Tradition und Selbstfindung. Mit performativen fotografischen Selbstporträts, gestischen Darstellungen von vorwiegend weiblichen
Protagonistinnen, einer Videoinstallation, Zeichnungen und Texten erkundet
Çakmak Momente von Nähe und Distanz, Emanzipation und Fremdbestimmung.
Die Ausstellung präsentiert Arbeiten aus verschiedenen Werkserien der letzten
Jahre und arrangiert diese neu. Ein Fokus der Ausstellung liegt auf den Fotoarbeiten aus den Serien "em fraktal“ (2021) und "My Sister and I“ (2023) sowie
der zweiteiligen Videoarbeit "Where I Left You“ (2023), welche sich mit transgenerationalen Traumata auseinandersetzen.
In "em fraktal“ betrachtet Çakmak die Erfahrungen einzelner Personen als Teil
eines kollektiven Erlebens. Sie sucht in den Ansichten anderer kurdischer Frauen
nach einem Selbstbild und nach Spuren von durchlebten physischen und psychischen Verletzungen und Krisen, die sich in ihre Körper eingeschrieben haben.
Während die fotografischen Reflexionen etwaige Verbindungen zwischen
persönlichen und gemeinschaftlichen Traumata offenbaren, erzählen in "Where
I Left You“ zwei Personen in fotografisch geprägten Videosequenzen mittels
Gestik und Körperhaltung von Verlust und Aufbruch. Eine flüsternde Stimme
berichtet dabei autofiktional von den Erfahrungen des Kriegs, der Angst und der
Wut.
Dahingegen ergänzt die Fotoarbeit "My Sister and I“ die Erzählung der Vergangenheit um das Jetzt. Çakmak fotografiert sich und ihre Schwester in der Weise
traditionell-klassischer Porträtfotografie, die jedoch weit über das Gesehene
hinausgeht. Ihre Gesten sind symbolisch aufgeladen, ihre abgewandten Gesichter gleichen verschlüsselten Botschaften.
In der fotografischen Arbeit "When we leave“ (2018-2025) wiederum betrachtet
Çakmak das Phänomen von Identität als etwas, das sich im Wandel äußerer
Umstände ständig neu formt. Mit inszenierten Selbstporträts untersucht sie
die Erwartungen, die an weiblich migrantisch gelesene Personen herangetragen
werden, und verweist dabei auf Mechanismen der Macht, Klasse und Hierarchisierung, denen sie sich selbst immer wieder ausgesetzt fühlt.
Ein weiterer Schwerpunkt von Çakmaks künstlerischem Schaffen liegt in den
farbintensiven Buntstiftzeichnungen, in denen sie das Zusammenwirken von
Tradition und Moderne erkundet. Dabei liegt den Zeichnungen eine starke
körperliche Präsenz zugrunde: Çakmak arbeitet mit konstantem, kraftvollem
Druck, indem sie die gleichen Bewegungen fortlaufend wiederholt – ein gestischer Rhythmus, der sie an die vielfältigen frauenhandwerklichen Tätigkeiten
ihrer Mutter erinnert. Florale Muster, die sich sowohl aus der Kindheit als auch
aus dem inneren Empfinden schöpfen, prägen ebenso ihre Bildfindungen wie
das Zusammenspiel abstrakter Formen. In diesen Arbeiten verbindet die Künstlerin persönliche Erinnerung mit einer zeichnerisch abstrahierenden Sinnlichkeit.

© Cihan Çakmak
In "Leaving was the only option left" reflektiert Çakmak auf sensible und intuitive Weise ihren Lebensweg als Kind kurdischer Einwanderer, eine Biografie,
die sie nachzuempfinden und gleichzeitig in etwas Neues zu verwandeln sucht.
In ihren Bildwelten spiegeln sich die Unsicherheiten ihrer Herkunft wider, die
sich stets im Spannungsfeld von Überlieferung, Assimilation und
Neubestimmung bewegen.
Çakmak thematisiert nicht nur gesellschaftliche und individuelle Zugehörigkeit,
sondern hinterfragt auch stereotype Betrachtungen und Zuweisungen. In der
Eigenannahme und künstlerischen Äußerung entfaltet sich letztendlich ihre
persönliche Selbstbestimmung.
Cihan Çakmak (*1993) studierte Fotografie an der Fachhochschule Dortmund
und ab 2017 künstlerische Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig, ebendort in der Klasse von Prof. Tina Bara, die sie 2023
als Meisterschülerin abschloss. Çakmak absolvierte Studienaufenthalte am International Center of Photography in New York und an der IADE in Lissabon
und war Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung. Sie erhielt den Paula Modersohn-Becker Nachwuchspreis (2020), den Ein-Blicke-Preis beim Filmfestival
Blicke (2023) und ein Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates
Sachsen (2025).

© Cihan Çakmak

© Cihan Çakmak