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Hocus Pocus - von Leib und Stein
'Gipsmasken-Freunde', Santorin 1937 ©️ Herbert List

Herbert List »

Hocus Pocus - von Leib und Stein

Exhibition: 7 Feb – 18 Apr 2026

Sat 7 Feb 11:00 - 14:00

Johanna Breede PHOTOKUNST

Fasanenstr. 69
10719 Berlin

+49 (0)30-88913590


www.johanna-breede.com

Tue-Fri 11-17, Sat 11-14

Hocus Pocus - von Leib und Stein
'Im Atelier', München 1955 ©️ Herbert List

Herbert List
"Hocus Pocus - von Leib und Stein"


Ausstellung: 7. Februar bis 18. April 2026
Eröffnung: Samstag, 7. Februar, 11-14 Uhr

Viel ist über die Fähigkeiten der Fotografien von Herbert List gesagt worden, den menschlichen Körper in eine Plastik zu verwandeln -  und umgekehrt antike Plastiken im Sonnenlicht zum Leben zu erwecken. Zum "Magier des Lichts" wurde er deshalb oft erklärt, eine Bezeichnung, an der er nicht ganz unschuldig ist: Schon der Titel seines ersten Buches, Licht über Hellas, nährt diesen Mythos. Auch Titel späterer Publikationen, wie das von Max Scheler posthum herausgegebene Söhne des Lichts, zielen in die gleiche Richtung. 

Der Verweis auf das Licht beim Sprechen über Fotografie scheint zunächst selbstverständlich – steckt doch schon im Begriff selbst, in der „mit Licht geschriebenen“ Kunst, das Licht im Namen. Vielleicht gibt es Fotografien, bei denen die Bedeutung von Licht-Stimmung und Setzung weniger ins Auge fällt, als es bei List der Fall ist. Bei ihm sind es weiche Kontraste, sowie satte Grauwerte, durch eine lange Belichtungszeit in der Dunkelkammer, mit deren Hilfe eine Verwandlung gelingt: Marmor ist nicht länger gleißend hell, Haut zeigt sich in schimmernder Bräune. So entsteht eine beinahe sinnliche Wärme – selbst die im Winter aufgenommenen Körper-Bilder wirken "warm to the touch".

Nicht erst die Kriegsjahre führten List dazu, über Fragment und Verletzlichkeit nachzudenken, die seine Arbeit an Körper und Plastik begleiten. Schon in den dreißiger Jahren beschränkt er seine Bildausschnitte betont: Das Männer-Bein mit dem Hund, der Arm mit dem Glas, der Torso mit dem Wassertropfen. Für ihn war der Beschnitt ein ästhetisches Prinzip – oder, wie er selbst sagte: "Fotografie ist eine Kunst des Weglassens."

In einer verwandte, wenn auch anderen Sprache als die visuell zerteilten Männerkörper, sprechen körperlose Köpfe in Athen, kopflose Statuen im zerstörten München, oder zerbrochene Gipsabgüsse der Akademie der Künste zu uns. Diese Fragmente führen die Vergänglichkeit ins Feld. Die Gipskrüppel, wie List sie nannte und in Szene setzte, sind Stellvertreter eines westlichen Kanons der schönen Künste: Seine Fotografien der Kopie von Michelangelos Sklaven mit einem gebrochenen Arm oder des verkrüppelten Gipsabguss der antiken Ringer machen sichtbar, dass dem Schönen immer ein Moment des Schmerzes eingeschrieben ist.

Peer-Olaf Richter