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Zwischenzeiten
Pietro Donzelli
Der Wächter, aus der Serie Po-Delta - Land ohne Schatten, 1954
© Estate Pietro Donzelli, Renate Siebenhaar, Frankfurt a. M.

Pietro Donzelli »

Zwischenzeiten

Exhibition: 10 May – 2 Aug 2026

Sun 10 May 12:00

Fotografie-Forum der StädteRegion Aachen

Austr. 9
52156 Monschau

+49 (0)2472-803194


www.kuk-monschau.de

Tue-Fri 14-17, Sat/Sun 11-17

Zwischenzeiten
Pietro Donzelli
Feiertag, aus der Serie Po-Delta - Land ohne Schatten, 1954
© Estate Pietro Donzelli, Renate Siebenhaar, Frankfurt a. M.

Pietro Donzelli
"Zwischenzeiten"


Ausstellungsdauer: 10. Mai bis 2. August 2026
Eröffnung: Sonntag, 10. Mai, 12 Uhr im Bürgersaal

Pietro Donzelli (1915-1998) gilt als einer der einflussreichsten Fotografen, Kritiker und Ausstellungsmacher der italienischen Nachkriegszeit. Das Fotografie-Forum präsentiert eine große Überblicksausstellung mit rund 100 Werken des Künstlers. Die Schau ist in enger Zusammenarbeit mit Renate Siebenhaar und dem Estate Pietro Donzelli entstanden.

Die Fotos aus den 1950er und 1960er Jahren, die überwiegend in Italien aufgenommen wurden, geben eindrucksvolle Einblicke in eine Zeit, die im Wandel begriffen ist. In Donzellis poetischen Schwarz-Weiß Aufnahmen trifft ländliche Tradition auf industriellen Aufbruch, aber auch Vergangenheit auf Zukunft.

Donzellis Werk umfasst neben vereinzelten Porträts vorwiegend Landschafts- und Stadtansichten. Ihnen allen ist gemein, dass sie eine kontemplative Ruhe ausstrahlen, die sie jeglicher Zeitlichkeit enthebt.

"Pietro Donzelli versteht es meisterhaft in seinen Kompositionen mit dem Licht zu arbeiten. Für den großartigen Fotografen ist das natürliche Licht eines der zentralen Gestaltungsmittel: Weich und manchmal leicht diffus, erzeugt es in seinen Bildern eine ruhige, zeitlose Stimmung. Ähnlich wie bei Goethe in der Italienischen Reise wirkt das 'italienische Licht' klärend und lenkt den Blick auf das Wesentliche." Dr. Nina Mika-Helfmeier (Kuratorin der Ausstellung und Leiterin des Fotografie-Forums)

"Pietro Donzellis Fotografien erhalten ihre Faszination durch meisterliche Komposition und konzentrierte Stille und oftmals entstehen rätselhafte Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Umgebung. Die Zeit scheint aufgehoben: Über das Bezeugen einer vergangenen Epoche hinaus bewahren Donzellis Fotografien eine universelle Bedeutung und Bannkraft außerhalb von Zeit und Ort." Renate Siebenhaar (Estate Pietro Donzelli)

Der 1915 in Monaco geborene Donzelli ging seinem intensiven Engagement für die Fotografie erst in seinen 30ern nach, neben einer Beschäftigung als Archivar bei der nationalen Telefongesellschaft SIRTI . Wenngleich er seit seiner Kindheit von der Fotografie begeistert war, stand dieser Leidenschaft zunächst die Einberufung in den Kriegsdienst 1943 im Weg. Seine Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg sollten den Künstler nachhaltig prägen. Die Fotografie bot ihm, laut eigener Aussage, nach dem Krieg die Möglichkeit, Gefühle und Gedanken auszudrücken und sich anderen mitzuteilen. Donzelli lag viel daran, mit der Fotografie neue, eigenständige Ausdruckswege zu erschließen und sie als vollwertige Kunstform zu etablieren. Er gilt heute als einer der wichtigsten Protagonisten der Strömung des Neorealismus.

Sein Engagement für die Fotografie beschränkte sich nicht nur auf die eigene fotografische Arbeit, vielmehr war Donzelli ebenso als Kritiker und Ausstellungsmacher international aktiv. Er gründete unter anderem die Zeitschrift Fotografia und war später Co-Direktor der italienischen Ausgabe von Popular photography. Zeit seines Lebens pflegte der Fotograf einen stetigen Austausch zu Vertreter_innen innovativer fotografischer Strömungen auf der ganzen Welt. Donzellis Arbeiten sind heute in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, u.a. im Museum of Modern Art New York, dem Museum Folkwang in Essen sowie in der Collezione Farnesia in Rom.

Zwischenzeiten
Pietro Donzelli
Der Schuhputzer, aus der Serie Luft von Neapel, 1949
© Estate Pietro Donzelli, Renate Siebenhaar, Frankfurt a. M.

Die Serie "Po-Delta - Land ohne Schatten" verdeutlicht Donzellis sorgsame Arbeitsweise, die umfangreiche und intensive Recherchen umfasste. Über acht Jahre hinweg bereiste der Fotograf das Po-Delta und hielt dort die Landschaft, aber auch die Menschen und ihre Lebensbedingungen fest. Dabei zeigen die Fotografien ganz unterschiedliche Aspekte des besonderen Landstrichs. Die Aufnahmen sind keineswegs rein dokumentarischer Natur, sondern entfalten eine poetische Kraft, die ihnen eine eigene ästhetische Qualität verleiht.

Donzelli beschäftigte sich jedoch nicht nur mit dem Leben auf dem Land, auch das Zusammenleben in den Städten ist Gegenstand seiner fotografischen Arbeit. In seiner Heimatstadt Mailand entstehen zahlreiche Aufnahmen: neben flüchtigen Alltagsmomenten interessiert ihn die Mailänder Mustermesse in besonderer Weise. Es entstehen Fotografien, die sich durch klare Kompositionen und ungewöhnliche Perspektiven auszeichnen. Seine frühste fotografische Serie entsteht in Neapel. Unmittelbar nach dem Krieg beginnt er die fünfjährige Arbeit an Aria di Napoli (Die Luft von Neapel ) mit dem Ziel, ein anderes Bild der Stadt zu zeichnen, außerhalb der touristischen Pfade: Es begegnen uns in den Fotografien Verkäufer ebenso wie schlafende Seemänner, Straßenkinder, Musikanten, Tagelöhner, Straßenkehrer und Schuhputzer, die Donzelli stets umsichtig und würdevoll ins Bild setzte.

Der Gang durch die Ausstellung gleicht einer Zeitreise in das Italien eines vergangenen Jahrhunderts und wirft doch wesentliche, heute immer noch aktuelle Aspekte des Menschseins auf. Er lädt zum Sinnieren und zur Kontemplation ein. Das Licht ist dabei Donzellis stetiger Begleiter und begegnet den Besucher_innen auf verschiedene Weise: mal hart und kontrastreich, mal diffus und sanft. Donzelli versteht es meisterhaft Schönheit und Harmonie im Alltäglichen zu finden.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, herausgegeben von Nina Mika-Helfmeier und Renate Siebenhaar, mit einem Essay von Andreas Platthaus (FAZ). Er ist im Fotografie-Forum zum Preis von 25 Euro erhältlich.

Zwischenzeiten
Pietro Donzelli
Mädchen aus Mesola, aus der Serie Po-Delta - Land ohne Schatten, 1954
© Estate Pietro Donzelli, Renate Siebenhaar, Frankfurt a. M.
Zwischenzeiten
Pietro Donzelli, Der Po bei Tolle, aus der Serie Po-Delta - Land ohne Schatten, 1954
© Estate Pietro Donzelli, Renate Siebenhaar, Frankfurt a. M.