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Chien Fou
Autor:in unbekannt
Germaine Krull in ihrer Ausstellung, Rio de Janeiro, 1941 

© Nachlass Germaine Krull, Museum Folkwang

Germaine Krull »

Chien Fou

Autorin und Fotografin

LESUNG & GESPRÄCH:

Wed 11 Mar 18:00

Museum Folkwang

Museumsplatz 1
45128 Essen

+49 (0)201-8845444


www.museum-folkwang.de

Tue-Sun 10-18, Thu + Fri 10-20

MI., 11.03.2026 - 18:00 UHR – 19:00 UHR LESUNG UND GESPRÄCH „ICH GLAUBE, DASS DIESE NEUE ART DES SEHENS DER AUSLÖSER FÜR EINE GANZE REIHE NEUER ASPEKTE DES SEHENS, BETRACHTENS UND ERKENNENS WAR.“ – DIE GEDANKEN- UND SPRACHWELT GERMAINE KRULLS

Mit den Übersetzerinnen Nicola Denis und Karin Uttendörfer
Moderiert von Kerstin Meincke und Petra Steinhardt

Neben ihren fotografischen Arbeiten zeigt die Ausstellung GERMAINE KRULL: Chien Fou auch das umfangreiche publizistische Werk der Künstlerin. Gemeinsam mit den Übersetzerinnen Nicola Denis und Karin Uttendörfer nähern wir uns diesem erweiterten Zugang zu Germaine Krulls künstlerischen Vermächtnis. Teilnahme kostenfrei.

Germaine Krull
"Chien Fou"
Autorin und Fotografin

Ausstellung: 28. November 2025 bis 15. März 2026

Tagung: 16./17. Januar 2026
"Transitorial Spaces: Artistic Reflections of Transatlantic Exile Routes"

Germaine Krull (1897–1985) hat mit ihren fotokünstlerischen Arbeiten die Geschichte der Fotografie nachhaltig beeinflusst. Weniger bekannt ist ihr umfangreiches publizistisches Werk, in dem sie ihre Biografie und ihre fotografische Praxis reflektiert. In dieser Ausstellung ist eine Protagonistin und Chronistin des 20. Jahrhunderts zu entdecken, die nie nur eine angepasste Zeitzeugin war.

Germaine Krulls Biografie zeigt zahlreiche Wendungen auf und fügt sich in die Historie vieler Biografien ein, die durch die politischen Geschehnisse des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst wurden. Doch verstand sie sich selbst nie als Opfer oder Verliererin ihrer Zeit. Bis heute teilt sie durch ihre Texte nicht nur ihre Lebenswege und Erfahrungen mit uns, sondern auch ihre politische Gesinnung, persönliche Haltung und Gründe für ihre Entscheidungen. Sie nimmt uns in der Ausstellung mit durch die Phase ihrer fotografischen Karriere innerhalb der Pariser Avantgarde und nach Südfrankreich Mitte der 1930er Jahre. Die Fotografin beschreibt ihren erzwungenen Abschied aus Europa und ihre Flucht von Marseille mit der Capitaine Paul-Lemerle über Martinique nach Rio de Janeiro, wo sie ein Jahr verbleibt, ehe sie sich freiwillig der Be- wegung France libre anschließt und für die folgenden zwei Jahre für Radio Brazzaville tätig wird.

Ab 1944 ist Krull für Frankreich als Kriegskorrespondentin in Algier und im Elsass im Einsatz. Eine sehr bewusste Entscheidung trifft sie 1945, indem sie Europa den Rücken kehrt: Zunächst noch im französischen Dienst, führt sie ihr Auftrag als Pressefotografin nach Indo-China und 1947 dann nach Thailand. Nach Aufkündigung ihrer offiziellen Dienste räumt sie sich bewusst dort eine „Auszeit“ ein, um an frühere fotografische Projekte in Frankreich anknüpfen zu können. Zugleich übernimmt sie das Management des legendären Oriental Hotel: erneut eine unerwartete Wendung und Erfahrung in ihrem Leben. Ab 1961/62 beendet sie dieses Kapitel und widmet sich erneut Foto- und verstärkt Buchprojekten.

Germaine Krull kehrte nur in kürzeren Phasen immer wieder nach Frankreich zurück; das Fotografieren und Schreiben blieben eine Konstante ihres Lebens. Eine tatsächliche Rückkehr nach Europa schien für sie undenkbar, auch wenn in ihrer Biografie die innere Zerrissenheit deutlich wird.

Das Museum Folkwang beherbergt den Nachlass dieser eloquenten Künstlerin und widmet ihr nach 1999 erstmals wieder eine Ausstellung. Diese fokussiert alle Phasen ihres fotografischen Schaffens und hebt sie als Textautorin und Chronistin des 20. Jahrhunderts hervor. Die Ausstellung trägt vor diesem Hintergrund vor allem der politischen, transnationalen und auch transkulturel- len Komplexität ihres Lebenswerks Rechnung und rückt neben ihren Worten das bislang von der Forschung nur marginal beachtete so genannte fotografische "Spätwerk" stärker ins Blickfeld.

Die Ausstellung wird von zahlreichen Veranstaltungen begleitet. Am 16./17. Januar 2026 laden das Museum Folkwang und die Universität Duisburg-Essen gemeinsam zu der Tagung mit dem Titel "Transitorial Spaces: Artistic Reflections of Transatlantic Exile Routes" ein, die sich mit den Fluchtrouten zahlreicher Intellektueller und zwei transitorischen Räumen des Exils befasst: Germaine Krulls Zeugnisse ihrer eigenen Flucht von Marseille nach La Martinique (1941) und William Kentridges Arbeit "To Cross One More Sea" (2024).