
© Nachlass Germaine Krull, Museum Folkwang
Germaine Krull »
Chien Fou
Autorin und Fotografin
LESUNG & GESPRÄCH:
Wed 11 Mar 18:00

Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen
+49 (0)201-8845444
info@museum-folkwang.essen.de
www.museum-folkwang.de
Tue-Sun 10-18, Thu + Fri 10-20
MI., 11.03.2026 - 18:00 UHR – 19:00 UHR LESUNG UND GESPRÄCH „ICH GLAUBE, DASS DIESE NEUE ART DES SEHENS DER AUSLÖSER FÜR EINE GANZE REIHE NEUER ASPEKTE DES SEHENS, BETRACHTENS UND ERKENNENS WAR.“ – DIE GEDANKEN- UND SPRACHWELT GERMAINE KRULLS
Mit den Übersetzerinnen Nicola Denis und Karin Uttendörfer
Moderiert von Kerstin Meincke und Petra Steinhardt
Neben ihren fotografischen Arbeiten zeigt die Ausstellung GERMAINE KRULL: Chien Fou auch das umfangreiche publizistische Werk der Künstlerin. Gemeinsam mit den Übersetzerinnen Nicola Denis und Karin Uttendörfer nähern wir uns diesem erweiterten Zugang zu Germaine Krulls künstlerischen Vermächtnis.
Teilnahme kostenfrei.
Germaine Krull
"Chien Fou"
Autorin und Fotografin
Ausstellung: 28. November 2025 bis 15. März 2026
Tagung: 16./17. Januar 2026
"Transitorial Spaces: Artistic Reflections of Transatlantic Exile Routes"
Germaine Krull (1897–1985) hat mit ihren fotokünstlerischen
Arbeiten die Geschichte der Fotografie nachhaltig beeinflusst.
Weniger bekannt ist ihr umfangreiches publizistisches Werk, in
dem sie ihre Biografie und ihre fotografische Praxis reflektiert.
In dieser Ausstellung ist eine Protagonistin und Chronistin des
20. Jahrhunderts zu entdecken, die nie nur eine angepasste Zeitzeugin war.
Germaine Krulls Biografie zeigt zahlreiche Wendungen auf und
fügt sich in die Historie vieler Biografien ein, die durch die politischen Geschehnisse des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst
wurden. Doch verstand sie sich selbst nie als Opfer oder Verliererin ihrer Zeit. Bis heute teilt sie durch ihre Texte nicht nur ihre Lebenswege und Erfahrungen mit uns, sondern auch ihre politische
Gesinnung, persönliche Haltung und Gründe für ihre Entscheidungen. Sie nimmt uns in der Ausstellung mit durch die Phase ihrer fotografischen Karriere innerhalb der Pariser Avantgarde und nach
Südfrankreich Mitte der 1930er Jahre. Die Fotografin beschreibt
ihren erzwungenen Abschied aus Europa und ihre Flucht von Marseille mit der Capitaine Paul-Lemerle über Martinique nach Rio de Janeiro, wo sie ein Jahr verbleibt, ehe sie sich freiwillig der Be-
wegung France libre anschließt und für die folgenden zwei Jahre
für Radio Brazzaville tätig wird.
Ab 1944 ist Krull für Frankreich
als Kriegskorrespondentin in Algier und im Elsass im Einsatz. Eine
sehr bewusste Entscheidung trifft sie 1945, indem sie Europa den
Rücken kehrt: Zunächst noch im französischen Dienst, führt sie ihr
Auftrag als Pressefotografin nach Indo-China und 1947 dann nach
Thailand. Nach Aufkündigung ihrer offiziellen Dienste räumt sie
sich bewusst dort eine „Auszeit“ ein, um an frühere fotografische
Projekte in Frankreich anknüpfen zu können. Zugleich übernimmt
sie das Management des legendären Oriental Hotel: erneut eine
unerwartete Wendung und Erfahrung in ihrem Leben. Ab 1961/62
beendet sie dieses Kapitel und widmet sich erneut Foto- und verstärkt Buchprojekten.
Germaine Krull kehrte nur in kürzeren Phasen immer wieder nach
Frankreich zurück; das Fotografieren und Schreiben blieben eine
Konstante ihres Lebens. Eine tatsächliche Rückkehr nach Europa
schien für sie undenkbar, auch wenn in ihrer Biografie die innere
Zerrissenheit deutlich wird.
Das Museum Folkwang beherbergt den Nachlass dieser eloquenten Künstlerin und widmet ihr nach 1999 erstmals wieder eine Ausstellung. Diese fokussiert alle Phasen ihres fotografischen
Schaffens und hebt sie als Textautorin und Chronistin des 20. Jahrhunderts hervor. Die Ausstellung trägt vor diesem Hintergrund vor allem der politischen, transnationalen und auch transkulturel-
len Komplexität ihres Lebenswerks Rechnung und rückt neben ihren Worten das bislang von der Forschung nur marginal beachtete so genannte fotografische "Spätwerk" stärker ins Blickfeld.
Die Ausstellung wird von zahlreichen Veranstaltungen begleitet.
Am 16./17. Januar 2026 laden das Museum Folkwang und die Universität Duisburg-Essen gemeinsam zu der Tagung mit dem Titel "Transitorial Spaces: Artistic Reflections of Transatlantic Exile
Routes" ein, die sich mit den Fluchtrouten zahlreicher Intellektueller und zwei transitorischen Räumen des Exils befasst: Germaine Krulls Zeugnisse ihrer eigenen Flucht von Marseille nach La Martinique (1941) und William Kentridges Arbeit "To Cross One More Sea" (2024).