
Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln © Wilhelm Schürmann
Wilhelm Schürmann »
Nachbarn
Exhibition: 1 Mar – 24 May 2026

Leopold-Hoesch-Museum
Hoeschplatz 1
52349 Düren
+49 (0)2421-252561
Tue-Sun 10-17, Thu 10-19

Courtesy der Künstler © Wilhelm Schürmann
Wilhelm Schürmann
"Nachbarn"
Ausstellung: 1. März bis 24. Mai 2026
Das Leopold-Hoesch-Museum zeigt in einer retrospektiv angelegten Werkschau fotografische Arbeiten des in Berlin und in Herzogenrath bei Aachen lebenden Künstlers Wilhelm Schürmann (*1946 in Dortmund). Dabei stellt die Einzelausstellung seine frühen Arbeiten dem aktuellen Schaffen gegenüber. Seit Beginn seiner Aktivitäten als Fotograf widmet sich Wilhelm Schürmann immer wieder seinen Nachbarschaften. Wegweisend ist hierfür die umfassende, durch persönliche Erfahrung und Beziehungen geprägte Bildserie der "Steinhammerstraße", die im Zeitraum zwischen 1979 und 1981 entstanden ist. Sie dokumentiert auf eine spezifische, von Nähe und Vertrautheit zeugenden Art und Weise den damaligen Zustand derjenigen Straße in Lütgendortmund, in der Wilhelm Schürmann aufgewachsen ist. Straßenzüge, Hinterhöfe, Hausfassaden und Bewohner*innen hält er dabei mit einem fotografischen Blick fest, der einerseits sehr intim ist, andererseits an Klassikern der modernen Fotografie wie Albert Renger-Patzsch, August Sander, André Kertéz und Walker Evans geschult ist.
Der Tradition der klassischen Straßenfotografie in Europa und den USA entsprechend, die begründet wurde von Künstlern wie Chargesheimer, Stephen Shore oder Ed Ruscha, finden sich auch bei Wilhelm Schürmann zahlreiche Bezüge zur Pop-Kultur der Zeit: Alltagsgrafik, Tapeten, Postkarten und Mode werden zu Bildern im Bild. Die "Steinhammerstraße" wird in einer repräsentativen Auswahl umfassend in der Ausstellung gewürdigt. Ebenso werden frühe Schwarzweißfotografien seiner Streifzüge durch die belgische Grenzregion wie auch durch das im Wiederaufbau befindliche Köln gezeigt, die die kompositorischen Prinzipien deutlich machen, die Wilhelm Schürmann bei der Auswahl seiner Motive und in der Anlage seiner fotografischen Bilder anwendet. Sie manifestieren den Zustand in einem bestimmten Augenblick und erfüllen damit Kriterien dokumentarischer Aufnahmen, während sie zugleich eine künstlerische Agenda verfolgen, die gänzlich frei ist von repräsentativen Absichten. Im Gegenteil setzt sie sich formal differenziert mit den formalen und anekdotischen Qualitäten seiner Motive auseinander und schafft so ein Bild, das aus sich selbst heraus funktioniert. Wilhelm Schürmann zeigt damit in seinen fotografischen, meist in offenen Werkreihen angelegten Arbeiten eine Haltung der Welt und der Gesellschaft gegenüber, die durch Teilhabe geprägt ist und die Gleichzeitigkeit von Widersprüchlichem anerkennt, indem er ihr Präsenz verleiht.
Mit Einführung der Digitalfotografie und ihren gegenüber der analogen Fotografie veränderten Möglichkeiten erweitert Wilhelm Schürmann den Umfang seines künstlerischen Schaffens nochmals erheblich. Seine Arbeiten entstehen jetzt fortlaufend und in parallelen, sich zum Teil überlagernden und teils komplementären Themenkomplexen vor allem in der ländlichen Umgebung seines Wohnhauses in Kohlscheid bei Herzogenrath sowie in der urbanen Nachbarschaft seiner Berliner Wohnung. Dabei ist den Fotografien der Erschließung, Nutzung, Bewirtschaftung und Veränderung der Landschaft rund um Kohlscheid, einem Ort in einer Steinkohlefolgelandschaft an der niederländischen Grenze, der analytische, an der Wahrnehmung des urban verdichteten Raums geschulte Blick des Künstlers zu eigen, während die Berliner Kreuzungen, Baustellen, Straßenfluchten, Gebäudekomplexe, Stadtpanoramen und Szenen urbanen Lebens anmuten, als seien sie wild wuchernder Urwald, sich unkontrolliert entfaltende Natur.

Fotografie, © Wilhelm Schürmann
"Wilhelm Schürmann. Nachbarn" erzählt von der historischen, soziologischen und urbanistischen Entwicklungen derjenigen Orte, an denen Wilhelm Schürmann lebt beziehungsweise gelebt hat, die ihm persönlich vertraut sind und deren Veränderungen er miterlebt (hat). Darunter, mit Dortmund im Ruhrgebiet und Kohlscheid im westlichen Rheinland, zwei Orte, die durch industrielles Wachstum und den einsetzenden Strukturwandel, aber auch durch die Geschehnisse im 2. Weltkrieg wesentlich geprägt sind. Ein wiederkehrendes Motiv in seinen Bildern aus Kohlscheid sind beispielsweise von Landschaft überwachsene Bunkeranlagen und aufgelassene Panzersperren des Westwalls. In Berlin ist es die rasante bauliche, infrastrukturelle und touristische Erschließung des historischen Stadtraums, der Ausdruck des Wandels ist, der dieser Stadt seit der Wiedervereinigung permanent widerfährt. Die Bedeutung von Urbanität als Labor für Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens wie überhaupt das Verständnis von Stadt als lebendigem Organismus wird an dieser Stelle bildhaft anschaulich und damit zugleich immer wieder neu justiert. Insofern sind die Wege, die Wilhelm Schürmann zur Erforschung und Erfassung von Situationen und Konstellationen immer wieder einschlägt, sei es im ländlichen Raum rund um Kohlscheid, sei es im städtischen Gefüge Berlins, stets Wege ins Offene und damit konzeptuell maßlich für die Qualität seines bildnerischen Werks.
In Dortmund geboren und aufgewachsen studierte Wilhelm Schürmann zunächst Chemie, entwickelte parallel dazu jedoch eine fotografische Praxis, der er sich bald auch beruflich widmete. Seit den 1970er Jahren hatte er als Fotograf Lehraufträge und seit 1981 eine Professur an der RWTH Aachen, von 1973-77 leitete er gemeinsam mit Rudolf Kicken die Galerie Lichttropfen in Aachen. Bekannt ist Wilhelm Schürmann gemeinsam mit seiner Frau Gaby Schürmann darüber hinaus als Sammler von Fotografie und zeitgenössischer Kunst. Bilder sammelt er also als Sammler und auch als Fotograf. Seine fotografischen Arbeiten bezeugen oftmals, dass sich sein fotografisches Sehen an der bildenden Kunst entwickelt, etwa wenn er Architektur wie Skulptur abbildet, Raum in Fläche übersetzt oder Landschaften als ein abstraktes Gefüge sieht.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Die Ausstellung und das Katalogbuch werden großzügig gefördert von der Kunststiftung NRW.

Courtesy der Künstler © Wilhelm Schürmann

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln © Wilhelm Schürmann

Fotografie, © Wilhelm Schürmann

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln/Dauerleihgabe des Künstlers © Wilhelm Schürmann