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Fotografie erzählt Skulptur
Clarence Kennedy (1892-1972), Prinzessin von Urbino, vor 1928
© Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Fotografie erzählt Skulptur

Photography Tells Sculpture

Anonymous » Reinhard Friedrich » Clarence Kennedy » Gustav Schwarz » & others

Exhibition: 16 Jul – 4 Oct 2026

Bode-Museum

Am Kupfergraben, Monbijoubrücke
10178 Berlin

+49 (0)30-20905577


www.smb.museum/bm

Tue-Fri 10-17, Sat/Sun 10-18

Fotografie erzählt Skulptur
Gustav Schwarz (1871-1958), Dornauszieher, vor 1939
© Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

"Fotografie erzählt Skulptur"

16. Juli bis 4. Oktober 2026
Eröffnung: Mittwoch, 15. Juli, 17:30 Uhr

Eine Sonderausstellung von Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin

Die Sonderausstellung "Fotografie erzählt Skulptur" bringt die Skulpturensammlung des Bode-Museums in einen dialogischen Austausch mit dem bislang wenig bekannten Fotoarchiv des Hauses. Die seltene Gegenüberstellung von Skulpturen und ihren fotografischen Reproduktionen eröffnet neue Perspektiven auf beide Medien und schärft den Blick für ihre jeweiligen Eigenlogiken.

Die Ausstellung untersucht die faszinierende, oft paradox wirkende Beziehung zwischen zwei scheinbar unvereinbaren Medien. Wie kann ein zweidimensionales Bild die Dreidimensionalität einer Skulptur vermitteln? Welche Perspektiven eröffnen Fotografien auf Präsenz, Form und Ausdruck plastischer Kunst? Schon vor dem Besuch eines Museums prägen Fotografien unsere Erwartungen und damit die spätere Wahrnehmung der Kunst, indem sie unserem kulturellen Gedächtnis Vorstellungen von Stil, Intentionen der Bildhauer und der scheinbar authentischen Wirkung ver mitteln.

Der Titel verweist auf die Geschichte des Sehens von Skulptur. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägen Fotografien die Vorstellung einer "richtigen" Ansicht und wie Licht und Perspektive die Wahrnehmung lenken können. Wilhelm von Bode erkannte früh die Bedeutung des Mediums und illustrierte seine "Denkmäler der Renaissance-Sculptur Toscanas" (1892–1905) mit über fünfhundert Fotografien. Systematische Regeln wie freigestellte Figuren, frontale Ansichten und gezielter Lichteinsatz begründeten einen kunsthistorischen Kanon, der bis heute prägend ist.

Die Ausstellung setzt ausgewählte Skulpturen aus verschiedensten Materialien vom 11. bis 17. Jahrhundert in Beziehung zu rund sechzig historischen und zeitgenössischen Fotografien. Dabei werden zentrale Themen des subjektiven fotografischen Blicks sichtbar: Lichtführung, die Aufmerksamkeit auf ikonographische Details lenkt oder dramatische Stimmungen erzeugt; Bildausschnitte, die ein Detail vom Original lösen und ihm ein Eigenleben verleihen; und Perspektiven, die sich zwischen ursprünglichem Kontext, Anbringungsort und musealer Ausstellungssituation bewegen.

Fotografie erzählt Skulptur
Unbekannte*r Fotograf*in, Putto auf einem Delphin, 1967
© Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Zugleich thematisiert die Schau die Einschränkungen der Fotografie, etwa bei der Farbwiedergabe, und ihre Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Rahmung der Figur durch Größe und Proportion des Hintergrunds neue interpretative Dimensionen eröffnet.

In neun kurzen Kapiteln beleuchtet die Schau verschiedene Facetten des Fotografierens und Sehens. Gian Lorenzo Berninis "Putto auf einem Delphin" fordert ein mehrfaches Umrunden der Figur heraus, da das Spiel zwischen Kind und Tier nur durch ständige Bewegung vollständig erfasst werden kann ("Einladung zum Rundgang"), die Renaissance-Büste einer "Prinzessin von Urbino" offenbart je nach Bildausschnitt unterschiedliche emotionale Nuancen ("Face to Face") und die "Christus-Johannes- Gruppe" der Zeit um 1300 zeigt, wie Fotografien einzelne Perspektiven hervorheben, während die intime Beziehung der Figuren im Original erfahrbar bleibt ("Zu zweit alleine""). Francesco di Giorgio Martinis fragmentarisches Relief in Moskau bleibt durch fotografische Dokumentation im kulturellen Gedächtnis präsent ("Verlust dokumentieren"). Weitere Kapitel widmen sich Lichtführung, Farbigkeit und Materialität, etwa bei der spätgotischen "Dangolsheimer Muttergottes" oder dem "dornausziehenden Knaben" aus Terrakotta, und machen die fotografische Interpretation selbst zum Forschungsthema.

Ein Begleitband mit Beiträgen von Franziska Lampe (Photothek, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München), Kathrin Müller (Institut für Kunst- und Bildgeschichte, Humboldt-Universität zu Berlin) und weiteren Beitragenden vertieft die Fragestellungen aus unterschiedlichen wissenschaftli- chen Perspektiven.

Fotografie erzählt Skulptur
Unbekannte*r Fotograf*in, Johannes, 1927/29
© Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Fotografie erzählt Skulptur
Reinhard Friedrich (1928-2014), Putto auf einem Delphin, 1967
© Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst