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sight·seeing
Aus der Serie "A Contre Jour – ShapeChanging No1", 1993
© Beate Spitzmüller

Beate Spitzmüller »

sight·seeing

Exhibition: 1 May – 5 Jul 2026

Thu 30 Apr 19:00

Galerie im Tempelhof Museum

Alt-Mariendorf 43
12107 Berlin

+49 (0)30-902776964


www.hausamkleistpark.de

Tue-Sun 13-18; Thu 10-18

sight·seeing
Aus der Serie "Corpora No3", 2015
© Beate Spitzmüller

Beate Spitzmüller und Judith Brunner
"sight·seeing"


Ausstellung: 1. Mai bis 5. Juli 2026

Eröffnung: Donnerstag, 30. April, 19 Uhr
Einführung Rossella Scrascia, Kunsthistorikerin, wissenschaftliche Volontärin, Haus am Kleistpark

Artist Talk: Donnerstag, 4. Juni, 19 Uhr
Mit Beate Spitzmüller, Judith Brunner und Julia Rosenbaum, Kunsthistorikerin

Finissage: Samstag, 4. Juli, 16-18 Uhr
Die Künstlerinnen sind anwesend.

Judith Brunner und Beate Spitzmüller präsentieren in einer intimen Kammerspiel-Ausstellung Werkserien zum Thema Konstruktion und Dekonstruktion urbaner Ansichten im Spannungsfeld mit Menschen und Natur. In Gemälden, Gouachen, Fotografien, Zeichnungen und einer filmischen Arbeit entfaltet sich der Dialog zweier künstlerischer Positionen, die das Urbane nicht als statische Kulisse begreifen, sondern als Gefüge aus Übergängen, Kräften und Einschreibungen.

Dabei spielt der Titel bewusst mit seiner Doppelbedeutung: "sight·seeing" meint kein touristisches Flanieren entlang von Sehenswürdigkeiten und kein beiläufiges Konsumieren von Ansichten, sondern ein bewusstes, vertieftes Schauen – ein Innehalten, das Wahrnehmung selbst zum Thema macht und zum Akt der Erkenntnis werden lässt.

Judith Brunner richtet den Blick auf architektonische Konstruktionen und Formen. Ihre farbintensiven, abstrakten Bildräume bestehen aus Acryl, Öl, irisierenden Pigmenten oder Bronze und verdichten urbane Strukturen zu energetischen Konstellationen. Weite, gestisch angelegte Farbflächen stehen dabei in einem spannungsvollen Verhältnis zu präzisen gesetzten Linien und geometrischen Elementen, die das scheinbar stabile Gefüge durchbrechen und neu ordnen. In den Serien Gates und Moves markieren Brücken- und Schwellenformationen Momente des Übergangs, des Aufbruchs und der Ankunft. Es entsteht ein visueller Balanceakt zwischen Vertrautem und Ungewissem. Die Stadt wird hier zur Metapher für Transformation, für gesellschaftliche und existenzielle Prozesse zwischen Stabilität und Auflösung.

Dem gegenüber stehen Beate Spitzmüllers fotografische Arbeiten dreier Werkgruppen. Ihre überwiegend schwarzweißen Aufnahmen urbaner und natürlicher Räume entstanden unter anderem in Island, Johannesburg und Frankfurt am Main und sind durch analoge und digitale Eingriffe verfremdet. Solarisationen, Überlagerungen und gezielte Störungen lassen Landschaften durchlässig wie auch modellhaft erscheinen oder verdichten Körper zu Schattenflächen. Was zunächst als bloßes Abbild erscheint, erweist sich als komplexer Bildraum, in dem Stadt, Natur und menschliche Präsenz einander durchdringen. Ergänzt werden die Fotografien durch eine filmische Umsetzung von Bleistiftzeichnungen. Linien geraten in Bewegung, Rhythmen verschieben sich und verweisen so auf den fortwährenden Wandel von Erscheinungen.

In der Zusammenschau setzen Brunners Gemälde und Gouachen prägende Akzente und verleihen dem Raum strukturelle wie inhaltliche Präsenz, während Spitzmüllers Arbeiten diese Setzungen in eine spannungsreiche Wechselwirkung überführen. In der Gegenüberstellung von farbiger Abstraktion und verfremdeter Schwarzweiß-Realität, von konstruktiver Ordnung und fotografisch-filmischer Spur, entsteht ein künstlerischer Austausch über urbane Räume als bewegliche Systeme, in denen sich Zeit, Erinnerung und Imagination überlagern. "sight·seeing" versteht Stadt nicht als geschlossenes Gefüge, sondern als Resonanzraum innerer und äußerer Landschaften, in dem Mensch, Architektur und Natur ineinandergreifen und ihre Grenzen fortwährend neu verhandeln.

sight·seeing
moves14, Puente-de-Conchi-Chile, 2021
© Judith Brunner

Judith Brunner (*1955) studierte freie Malerei und Grafik an der UdK Berlin. Es folgten ein DAAD-Stipendium in New York sowie ein Stipendium der Karl-Hofer-Gesellschaft Berlin. Brunner lebte und arbeitete viele Jahre in New York und Philadelphia, war unter anderem als Tutorin an der School of Visual Arts in New York tätig. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und sind in institutionellen Sammlungen vertreten, darunter in der Berlinischen Galerie, in der Universität der Künste Berlin und im Kupferstichkabinett Berlin. Judith Brunner lebt und arbeitet in Berlin.

Beate Spitzmüller (*1963) studierte Keramik in Straßburg sowie Bildende und Interdisziplinäre Kunst in Freiburg und Frankfurt. Weiterhin arbeitete sie am "Leeren Museum" von Ilja Kabakov mit. Spitzmüllers Arbeiten entstehen seriell und prozessorientiert und untersuchen Verdichtungen von Stadtlandschaften und Auflösung natürlicher Welten. Sie hat mehrere Arbeits- und Aufenthaltsstipendien erhalten, unter anderem in Norwegen, der Schweiz, Südafrika oder Schweden. Internationale Einzel- und Gruppenausstellungen machen ihre Arbeiten weltweit sichtbar. Spitzmüller lebt und arbeitet in Berlin.

sight·seeing
Aus der Serie "Three Times a Day No1", 2010
© Beate Spitzmüller
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moves11 crawl, Athen OAKA Calatrava, 2019
© Judith Brunner