Hier können Sie die Auswahl einschränken.
Wählen Sie einfach die verschiedenen Kriterien aus.

eNews

X





VOGELFREI?
Kristin Schnell: "VOGELFREI?"
© Kristin Schnell

Kristin Schnell »

VOGELFREI?

Exhibition: 16 May – 12 Jul 2026

Fri 15 May 19:00

Kunstverein Konstanz

Wessenbergstr. 39/41
78462 Konstanz

07531-22351


www.kunstverein-konstanz.de

Tue-Fri 10-18, Sat/Sun 10-17

VOGELFREI?
Kristin Schnell: "VOGELFREI?"
© Kristin Schnell

Kristin Schnell
"VOGELFREI?"


Ausstellung: 16. Mai bis 12. Juli 2026
Eröffnung: Freitag, 15. Mai, 19 Uhr

Der Kunstverein Konstanz zeigt in Kooperation mit dem Bodensee-Naturmuseum Fotografien der Künstlerin Kristin Schnell. Im Zentrum der Schau steht ihre jüngste Werkgruppe "VOGELFREI?", in der sie sich intensiv mit domestizierten Vögeln auseinandersetzt, die in Volieren leben und in der freien Natur kaum überleben könnten. Ihre Beobachtungen im Vogelkäfig werfen zugleich Fragen nach Freiheit, Verantwortung und den Bedingungen auf, unter denen Tiere heute leben.

Die Beschäftigung mit Vögeln ist ein Sujet, das die Kunstgeschichte seit ihren Anfängen begleitet. Schnell knüpft an die Tradition der Vogeldarstellungen an und entwickelt daraus einen eigenständigen, zeitgenössischen Blick: Sie setzt lebendige Tiere in bewusst konstruierte Bildräume. Schnell, die schon zeitlebens Tiere fotografierte, erhielt einen entscheidenden Impuls für die Serie durch ihren Umzug von Berlin an die Ostseeküste. Dort fand die Fotografin keine unberührte Natur, sondern eine intensiv betriebene Agrarlandschaft vor. Die Vögel – wie die Feldlerchen ihrer Kindheit – waren weitgehend verschwunden. Ihr eigenes Grundstück mit alten Bäumen und wilden Blumen wurde zu einer rettenden Insel; eine dortige 400 Quadratmeter große Voliere entwickelte sich bald zum Asyl für vernachlässigte Vögel.

Diesen geschützten Raum nutzt Schnell als Atelier. Hier baut sie aus Holz, Papier und Stoff farbintensive, geometrische Kulissen, verwendet Utensilien wie Acrylglas, Spiegel, Folien und Blumen und schafft ein künstliches Ambiente, das einer reduzierten Bühnenkulisse ähnelt. In diesen Bildräumen lässt sie ihre Vögel wie Schauspieler agieren. Die Künstlerin stellt das Setting, doch die entscheidenden Momente ergeben sich aus den Bewegungen der Tiere; Steuerung und Kontrolle bleiben dabei weitgehend unmöglich. Oft dauert es Stunden, bis die Tiere - nicht alle lassen sich auf die Situation ein - in die gut ausgeleuchtete Szenerie treten, um neugierig die Requisiten zu erkunden oder mit ihren Artgenossen zu interagieren. Schnells Farbwahl ist inspiriert von frühen Erinnerungen an leuchtende Kirchenfenster und der Farbkraft ihrer Gartenpflanzen. Beim Inszenieren greift sie auf ihre Erfahrung als Modefotografin zurück, als sie für Models Szenarien entwarf. Die Kombination aus strenger Geometrie, kunstvoller Farbgebung und gekonnter Lichtsetzung lässt die Schönheit der Tiere fast surreal erscheinen.

In Schnells Arbeiten liegt eine Spannung, auf die der Titel "VOGELFREI?" verweist: Vögel gelten als Sinnbild der Freiheit, doch sie leben in Volieren. Diese Ambivalenz verleiht den Bildern eine zweite Ebene. Neben der Schönheit und Zartheit der Tiere wird auch der begrenzte Raum des Käfigs spürbar. Die Künstlerin übersetzt diesen Zwiespalt in ihren verschiedenen Bildgruppen: Beispielsweise in "Mikado", darin betonen Stäbe, die das Bild durchziehen, die Anmutung eines Käfigs. "City Lights" arbeitet mit kantigen Requisiten, die den Bildraum verdichten und auf jene Einengung verweisen, die Vögeln in städtischen Lebensräumen zugemutet wird. In „Farewell“ thematisieren stilllebenartige Arrangements den Verlust einzelner Tiere. Es sind Aufnahmen verstorbener Vögel unter freiem Himmel; erst im Tod erfahren sie jene Freiheit, die ihnen zu Lebzeiten – zum Schutz vor Fressfeinden – verwehrt blieb.

VOGELFREI?
Kristin Schnell: "VOGELFREI?"
© Kristin Schnell

Über die rein ästhetische Betrachtung hinaus zielen Schnells Fotografien auf das Verhältnis zwischen Mensch und Tier sowie die damit verbundene moralische Verantwortung. Viele der porträtierten Vögel stammen aus ehemals nicht artgerechter Haltung; in der Voliere finden sie Schutz und Pflege. Die Künstlerin nutzt ihre Protagonisten dabei als symbolische Figuren, um Fragen nach Freiheit, Kontrolle und einer respektvollen Koexistenz in einer vom Menschen dominierten Welt zu stellen.

Die Ausstellung präsentiert rund 50 Arbeiten, deren Spektrum von kleinen, intimen Abzügen bis zu großformatigen Tableaus reicht. Die Fotografien, die im Bodensee-Naturmuseum ausgestellt werden, bilden einen reizvollen Kontrast zu den dortigen Exponaten: Die naturgetreuen Darstellungen einheimischer Vögel stehen Schnells artifiziell konstruierten Bildwelten gegenüber. Ein Teil der Werke stammt aus Schnells erster Monografie "Of Cages and Feathers" (Kehrer Verlag), während die übrigen Fotografien zum ersten Mal öffentlich gezeigt werden.

Kristin Schnell arbeitete über zwei Jahrzehnte als selbstständige Fotografin für internationale Auftraggeber im Bereich Kinder- und Jugendmode. Die Einladung zur LensCulture Masterclass in Amsterdam im Jahr 2019 markierte einen Wendepunkt und führte zu einer konsequenten Hinwendung zur freien künstlerischen Fotografie. Ihre Arbeiten entstehen direkt in der Kamera. Neben Vögeln sind ihre Porträts versehrter Tiere ein beeindruckendes Sujet. Zusätzlich zu verschiedenen Einzelausstellungen – etwa im Rahmen der Hamburger Triennale 2023 oder in der Galerie Ried in Berlin 2026 – wurden ihre Arbeiten unter anderem von Photolucida mit dem Critical Mass Award (Top 50) ausgezeichnet. Ihre Werke befinden sich in namhaften Sammlungen wie dem Los Angeles County Museum of Art (LACMA). Im Jahr 2024 widmete der Sender ARTE ihrem Schaffen eine eigene Künstlerdokumentation.

Unterstützt wird die Ausstellung von Regierungspräsidium Freiburg, Stadt Konstanz/Kulturamt und Radio Krieg Konstanz

Buchvorstellung
Sonntag, 17. Mai, 11.30 Uhr
"Aviary - The Bird in Contemporary Photography"
W. A. Ewing, Autor und Kurator, Lausanne (englisch/deutsch)
Eintritt 7 €, Mitglieder 5, Kinder und Jugendliche frei

Gespräch zur Kunst
Donnerstag, 11. Juni, 19 Uhr
Juliane Lachenmann, Kunsthistorikerin Lachenmann Art Kulturmanagement mit Kristin Schnell

Vortrag
Dienstag, 30. Juni, 19 Uhr
"Von Mexico ins Max-Planck-Institut - Eine Welt der verrückten Vögel"

Babette Eid, Leiterin MaxCine am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie Radolfzell und Konstanz

VOGELFREI?
Kristin Schnell: "VOGELFREI?"
© Kristin Schnell