
TWO
mit Barbara Esch-Marowski
Dawid » Gerry Johansson »
Artist Talk:
Sat 2 May 16:00

Dorothée Nilsson Gallery
Potsdamer Str. 65
10785 Berlin
+49 (0)170-5470707
gallery@dorotheenilsson.com
www.dorotheenilsson.com
Wed-Sat 12-18
Gerry Johansson und Dawid
"TWO"
Ausstellung: 2. Mai bis 24. Juni 2026
Eröffnung: Freitag, 1. Mai , 18 - 21 Uhr
Die Dorothée Nilsson Galerie präsentiert mit Arbeiten von Gerry Johansson und Dawid zwei
Schlüsselpositionen zeitgenössischer schwedischer Fotokunst.
Im Dialog der beiden Künstler treffen Ebenen wie Raum, Gesellschaft, Struktur auf Wahrnehmung, Zeit
und Irritation – Johansson steht für den analytischen, distanzierten Zugang, Dawid für einen
phänomenologischen, eher introspektiven Ansatz. Während Johansson fragt, wie die Welt strukturiert ist, fokussiert sich Dawid darauf, wie Wahrnehmung entsteht. Johansson reduziert die Welt in seinen
Bildern, um sie klarer zu erkennen. Dawid arbeitet dagegen mit Abstraktion im Bild und zeigt, wie
unsicher unser "Sehen" ist. Gemeinsam ist beiden Künstlern eine langjährige, konzeptuelle Praxis mit Reduktion als Stilmittel und Arbeiten in fotografischen Serien.
Erstmalig in Berlin werden Exponate aus der Werkgruppe ANTARKTIS (2001) von Gerry Johansson
ausgestellt, die im Großformat fotografiert wurden. Seine Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen eine
kontemplativ erscheinende Welt aus amorphen, von Menschenhand weitestgehend unberührter,
skulpturaler Formen, die als Folge des Klimawandels verschwinden wird. Natur ist hier erhaben und nicht nur Ressource. Die Gegenüberstellung mit Johannsons Motiven aus Tokyo macht deutlich, wie diese Bilder gelesen werden können: nicht als Orte im klassischen Sinne, sondern als Gefüge von Strukturen.
Dawid zeigt Fotografien aus den Serien BUR (2009), OAS (2018) oder ROD (2024). Der Künstler transformiert hier das Gegenständliche in eine offene visuelle Gestalt. Fotografierte Dinge verlieren ihre funktionale Eindeutigkeit und werden für den Betrachter neu interpretierbar. Die Deutung wird zu einem tastenden Erkennen aus der Verbindung von Sehen und Überdenken.
Diese Wirkung zeigt sich auch in der Serie BUR (Käfig): Automobile stehen verhüllt in tageslichtlosen Garagen hinter Gittern: ein emotional besetzter, materieller Gegenstand wird vor Vergänglichkeit und Übergriffen geschützt. In den Fotografien von Dawid entsteht auf der ästhetischen Ebene ein formales Konstrukt, eine skulpturale Installation, worin sich Eindeutigkeit und Intention auflösen.
Gerry Johansson (*1945 in Örebro, lebt in Höganäs) zählt in Schweden zu den zentralen Verfechtern einer konzeptuellen, analytischen Fotografie, die das Medium als Instrument des Denkens begreift. Seit den 1980er Jahren verfolgt er konsequent seinen künstlerischen Ansatz, die Strukturen der Welt durch systematisches Sehen sichtbar werden zu lassen. Seine Arbeiten entstehen in Werkgruppen und sind oft geografisch definiert.
Dawid (Björn Dawidsson (*1949 in Örebro, lebt in Stockholm) gilt als prägender Vertreter einer postmodernen, konzeptuell erweiterten Fotografie in Schweden. Früh entwickelte er eine eigenständige künstlerische Haltung, die Fotografie nicht als Abbild der Wirklichkeit versteht, sondern als Medium der Reflexion über Wahrnehmung, Materialität und die Bedingungen des Bildes selbst.