
o.T. (Hamburg Jakobikirchhof), 2021 aus der Serie "Schlafquartier"
Schlafquartier – Hinschauen statt Vorbeigehen
Silent Agents
Lars Klingenberg » Julius C. Schreiner »
Exhibition: 8 May – 18 Jun 2026
Thu 7 May 18:00
Fehlig Moshfeghi Architekten
Neuer Steinweg 2
20459 Hamburg

kulturreich Galerie
Wexstr. 28
20355 Hamburg
040-75368661
galerie@kulturreich.de
www.kulturreich.de
Mon-Fri 13-18 + b.a.

o.T. (Berlin, Tiergarten), 2017 aus der Serie "Schlafquartier"
Lars Klingenberg & Julius C. Schreiner
"Schlafquartier – Hinschauen statt Vorbeigehen" und "Silent Agents"
Ausstellung: 8. Mai bis 18. Juni 2026
Eröffnung: Donnerstag, 7. Mai, 18 Uhr
Eine Veranstaltung im Rahmen des Hamburger Architektur Sommers 2026
Öffnungszeiten: outdoor 24h, indoor freitags 14-17 Uhr u.n.V.
Der Hamburger Fotograf und Künstler Lars Klingenberg zeigt im Rahmen des Hamburger Architektursommers seine interdisziplinäre Ausstellung "Schlafquartier – Obdachlosigkeit in deutschen Großstädten", in der großformatige Stadtbilder und O-Töne eindringliche Einblicke in die Lebensrealitäten obdachloser Menschen geben. Ergänzt wird die Ausstellung durch den Gastkünstler Julius C. Schreiner, der mit Auszügen aus seiner Arbeit "Silent Agents" den Blick auf die sogenannte feindliche Architektur richtet. Beide Positionen setzen sich auf unterschiedliche Weise mit der Frage auseinander, wie obdachlose Menschen systematisch aus dem öffentlichen Raum verdrängt und kriminalisiert werden.
Immer mehr Menschen in Deutschland sind obdachlos und lebensgefährlichen Umständen ausgesetzt. Dennoch wird Obdachlosigkeit oftmals in der öffentlichen Wahrnehmung und von vielen Menschen verdrängt, gleichwohl sie gerade in städtischen Metropolen zum Alltag gehört. Seit dem Jahr 2010 hat sich die Anzahl der von Obdachlosigkeit betroffenen Personen mehr als verdoppelt, 56.000 Menschen leben derzeit in Deutschland auf der Straße (2025, BAG W).
Die seit 2015 fortlaufende Arbeit von Lars Klingenberg betrachtet die aktuelle Thematik auch vor dem Hintergrund der Stadtarchitektur. Eindringlich dargestellt wird die Lebensrealität obdachloser Menschen von ihm in Form ihrer fotografierten Schlafplätze. Ohne die Menschen zu zeigen, verleiht der Fotograf ihnen in dem Projekt „Schlafquartier” eine Stimme durch O-Töne und Textfragmente. Mit seinen dokumentarischen Fotografien und den teilweise skulptural anmutenden Sujets schafft Klingenberg eine Anziehungskraft, die die Betrachter: innen genauer hinschauen lässt.
"Obdachlosigkeit in Deutschland ist die individuell ausprägte Folge struktureller Armut, zunehmender staatlicher Unterversorgung und Ausgrenzung. Mit “Schlafquartier” schaue ich mit ästhetischen und dokumentarischen Mitteln sowie künstlerischen Forschungsmethoden hinter die Fassade der Obdachlosigkeit." sagt Lars Klingenberg.
Die Ausstellung ist in den Schaufenstern sowie Innenräumen des Architekturbüros Fehlig Moshfeghi in der Hamburger Neustadt zu sehen. Um einen Dialog über die politischen sowie gesellschaftlichen Herausforderungen zu fördern und Lösungsmodelle voranzutreiben wird es neben der Ausstellung, eine Szenische Lesung mit anschließender Podiumsdiskussion mit Gästen aus Politik, sozialen Einrichtungen, Architektur und Lars Klingenberg geben. Der Gastkünstler Julius C. Schreiner bietet zudem eine Führung zur defensiven Architektur im Hamburger Stadtraum an.

o.T. (Frankfurt, An der Staufenmauer), 2018 aus der Serie "Schlafquartier"
Rahmenprogramm
Szenische Lesung und Podiumsdiskussion
16. Juni, 18 Uhr
"Obdachlosigkeit überwinden: Wohnraum schaffen – Hilfsangebote unterlassen"
In der Podiumsdiskussion mit Expert:innen wird der Frage nachgegangen, welche Entscheidungen zu der stetig wachsenden Anzahl obdachloser Menschen führen und welche Lösungen tatsächlich greifen können. Neben Lars Klingenberg, Künstler, nehmen der Quartiersmanager Sascha Bartz (Moderation) und
Architekt Mehdi Moshfeghi teil. Sowie aus dem Bezirksamt Hamburg-Mitte Philipp Krampe, (Fachamt Gesundheit, Leitung Koordinierungsstelle Obdachlosigkeit und Straßensozialarbeit Innenstadt) und ein:e Vertreter:in einer Institution der ehrenamtlichen Straßensozialarbeit.
Die vorangehende Szenische Lesung verbindet Bild- und Textelemente aus Klingenbergs
Arbeit: Die vergleichenden Darstellungen der Schlafquartiere verschmelzen mit Erfahrungs-
berichten obdachloser Menschen, vorgetragen von einer Sprecherin, und werden so zum
Leben erweckt. Ergänzt durch vorgetragene Textausschnitte der aus Recherchen,
Interviews und Beobachtungen entstandenen Essays und "Stadttexte" von Klingenberg.
Stadtführung "Silent Agents" mit Julius Schreiner
10. Mai, 14 Uhr
In der Ausstellung zeigt der Berliner Fotograf zeigt eine Auseinandersetzung mit der architektonischen Verdrängung durch Steine, Zäune oder Lehnen von obdachlosen Menschen im öffentlichen Raum, der sogenannten Feindlichen Architektur. Teil des Programms ist daher auch eine Führung zu Orten defensiver Architektur im Hamburger Stadtraum.
Lars Klingenberg, 1978 in Aachen geboren, lebt und arbeitet in Hamburg als
autodidaktischer Fotograf und Konzeptkünstler mit Fokus auf langfristig angelegten, freien
Projekten. In seinen Arbeiten entwickelt er unter anderem "Soziale Skulpturen der
Großstadt", in denen er mit fotografischen Mitteln und iterativen Anordnungen gefundener
oder gesammelter Objekte gesellschaftliche Zustände und Armut in Deutschland
reflektiert. Seine sachlich-seriellen Bildserien knüpfen an den Verismus und die
Bildsprache der Neuen Sachlichkeit sowie die Konzeptkunst der 1960er Jahre an und
formulieren einen klaren politischen Anspruch nach gesellschaftlicher Veränderung.
Ulrike Klug (kulturreich) ist mit Lars Klingenberg Initiatorin dieser Ausstellung. Als Kulturwissenschaftlerin und -managerin engagiert sie sich mit ihrer Agentur kulturreich für
Kulturkonzepte als Brückenbauerin für gesellschaftlich relevante Themen und Diskurse.

o.T. (Köln Schildergasse), 2018 aus der Serie "Schlafquartier"

Hamburg II, 2018 aus der Serie "Silent Agents"