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Fotografie – Das Werk
Tänzerin, Cihangir, Istanbul, 1992
© Christa Mayer, VG Bild-Kunst, Bonn, 2026

Christa Mayer »

Fotografie – Das Werk

mit Christa Mayer und Katia Reich, Leiterin der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie

Künstlergespräch:

Thu 20 Aug 19:00

Haus am Kleistpark

Grunewaldstr. 6-7
10823 Berlin

+49 (0)30-902776964


www.hausamkleistpark.de

Tue-Sun 11-18

Fotografie – Das Werk
Junge und Hund, Istanbul, 1992
© Christa Mayer, VG Bild-Kunst, Bonn, 2026

Nach der großen Resonanz auf die Ausstellung "Christa Mayer. Fotografie – Das Werk" findet am 20. August um 19 Uhr das lang erwartete Künstlerinnengespräch mit Christa Mayer und Katia Reich, Leiterin der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie, statt.

Die Fotografin und Psychologin Christa Mayer zeigte im Januar 2026 im Haus am Kleistpark einen Teil ihres über vier Jahrzehnte erschaffenes fotografisches Werk. Zu sehen waren Fotografien in Schwarzweiß und Farbe aus unterschiedlichen Werkreihen, darunter bedeutende Werkkomplexe wie "Abwesende I / II" (1979–1996), "Heilende" (1982–1989) sowie "Kreative" (1987) und "Kinder" (1987-1992). Ergänzt durch Beobachtungen aus Italien sowie Istanbul (1979–1992). Darüber hinaus Landschaftsaufnahmen (1982–2011) und abstrakte Kompositionen (ab 2007). Text-Bild-Arbeiten erweiterten das Spektrum der Porträtserien. Stadtlandschaft und Porträt bestimmten die beiden Videoarbeiten "Ex Oriente Lux" (1992) und "Abwesende" (2025).

Vier Monate nach dem Ende der Ausstellung kommen Christa Mayer und Katia Reich erstmals miteinander ins Gespräch und widmen sich den vielfältigen Themen, die das künstlerische Schaffen Mayers geprägt haben.

Mayer nimmt eine einzigartige Stellung innerhalb der deutschen Autorenfoto-grafie der 1980er und 1990er Jahre ein. Bereits seit den frühen 1980er Jahren formte sie ihre progressive künstlerische Handschrift in der legendären Werk-statt für Photographie an der Volkshochschule Kreuzberg in Berlin, die von Michael Schmidt gegründet wurde. Dabei gelang es ihr als eine der wenigen Frauen, sich dort erfolgreich zu behaupten. 1983 wurde sie mit dem Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ausgezeichnet, gefolgt von einem Arbeitsstipendium am P.S.1 in New York im Jahr 1987.

Christa Mayer wurde früh mit ihren außergewöhnlich berührenden Porträts aus der Langzeitpsychiatrie einer Berliner Klinik bekannt, wo sie mehr als zwei Jahrzehnte als Psychologin und Psychotherapeutin arbeitete. In ihren Porträts von Patientinnen und Patienten, deren Angehörigen sowie medizinischem und Pflegepersonal suchte Mayer nach der Einzigartigkeit und "Schönheit […] im Angesicht des Anderen", wie sie selbst sagte. Mit ihren "dialogischen Bildnissen" und einer Praxis des "nichtvoyeuristischen und berührenden Sehens" schuf Mayer Fotografien, in denen die Ausdruckskraft des Gesichts und das innere Erleben im Mittelpunkt stehen – Werke, die nur wenig Vergleichbares in der Fotografie ihrer Zeit aufweisen.

Fotografie – Das Werk
Christa Mayer Psychoanalytikerin M. Teich, New York 1987
© Christa Mayer, VG Bild-Kunst, Bonn, 2026

Dazu kommt als interaktive, prozessuale Darstellungsform das von Mayer entwickelte Prinzip des "Videospiegels", in den Gedanken und Selbstbefragungen der Patientinnen und Patienten einfließen, wie in der Serie "Der blaue Mann" (1990). Neben den Porträts aus der Psychiatrie fotografierte Mayer auch Heilende verschiedener Kulturen, von Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytikern bis zu indigenen Heilern. Ebenso galt ihr Interesse Künstlerinnen und Künstlern, darunter Malern, Tänzern und Performern. Immer wieder beobachtete sie mit ihrer Kamera auch Kinder in ihren spielerischen Aktionsräumen und schuf mit ihnen verwunschene Bildszenen. Bei Aufenthalten in Italien oder Istanbul suchte sie im alltäglichen "Straßentheater" der urbanen Umgebung nach den Miniaturdramen, die sich im vorbeiziehenden Strom der Passantinnen und Passanten abspielten.

In späteren Jahren widmet sich Mayer auf ihren Reisen in Frankreich, Italien, Indien und den USA zunehmend dem Thema Landschaft. Küsten- und Waldlandschaften werden von ihr als symbolisch und spirituell aufgeladene Orte wahrgenommen. Die Ansichten wirken dabei ebenso rätselhaft wie die zuvor porträtierten Menschen. Die Landschaft wird zur Projektionsfläche für das Verhältnis von Innen und Außen, für menschliche Empfindungen sowie für metaphysische Fragestellungen.

Christa Mayers Werke sind Ausdruck eines tief subjektiven Erlebens und der empathischen Auseinandersetzung mit Menschen und Orten. Mit ihren einzigartigen Bildfindungen hat sie verschlossene Bereiche unseres Lebens sichtbar und nachvollziehbar gemacht und dem Unbewussten der Innenwelten wie Landschaften Ausdruck verliehen.

Christa Mayer, 1945 in Bad Kissingen geborgen, studierte Psychologie in Würzburg und Berlin. Sie arbeitete von 1972 bis 2002 als Psychologin in Berlin. Sie realisierte fotografische Projekte, Videofilme und Theateraufführungen mit Patientinnen und Patienten. Von 1980 bis 1986 nahm sie an Kursen, Workshops und Ausstellungen der "Werkstatt für Photographie" an der Volkshochschule Kreuzberg teil. Mayer erhielt zahlreiche Stipendien, zuletzt eine Katalogförderung der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt Berlin (2025).

Die Ausstellung wurde von Carolin Förster kuratiert.

Im Dezember 2025 ist im DISTANZ Verlag die gleichnamige Monografie erschienen, herausgegeben von Carolin Förster und mit Texten von Carolin Förster, Thomas Weski, Maren Lübbke-Tidow und Barbara Esch Marowski.

Fotografie – Das Werk
Carsten und Hase, 1996, aus der Serie Abwesende II, 1987-1996
© Christa Mayer, VG Bild-Kunst, Bonn, 2026