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Aus heiterem Himmel.
Sven Johne
Alina, 2026 (Standbild, Detail)
© Sven Johne, VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Aus heiterem Himmel.

Förderstipendien 2025/2026

Kristina Õllek » Rosa John » Sven Johne » Kirsten Justesen » Kert Viiart-Õlle » Lena von Goedeke »

Exhibition: 15 Oct 2026 – 30 Jan 2027

Wed 14 Oct 19:00

Kunststiftung DZ BANK

Platz der Republik
60325 Frankfurt (Main)

+49 (0)69-7680588 00


kunststiftungdzbank.de

Tue-Sat 11-19

Aus heiterem Himmel.
Rosa John
Ohne Titel, aus der Serie: Anleitung für eine Kamera, 2016–2021/2026
© Rosa John, VG Bild-Kunst, Bonn 2026

"Aus heiterem Himmel"
Förderstipendien 2025/2026


Ausstellung: 15. Oktober 2026 bis 30. Januar 2027
Eröffnung: Mittwoch, 14. Oktober, 19 Uhr

Mit Sven Johne als diesjährigem Preisträger und Kirsten Justesen als diesjähriger Preisträgerin der Förderstipendien 2025/2026 wurden zwei sehr unterschiedliche Konzepte von der Jury ausgewählt, welche die Kunststiftung DZ BANK und die Sammlung mit ihren hochkarätigen Vorschlägen ergänzen und inspirieren. Die im Verlauf eines Förderjahres entstandenen Kunstwerke wurden für die Sammlung erworben und werden in der Ausstellung "Aus heiterem Himmel" in der Kunststiftung DZ BANK erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ergänzt wird die Präsentation durch weitere Bewerbungen um das Stipendium, die thematisch wie auch im Material durch bereits vorhandene Werke auffielen. So fanden Rosa John, Kristina Õllek und Lena von Goedeke ebenso ihren Weg in die Sammlung. Durch die Auswahl spiegelt sich einmal mehr die historische und aktuelle Vielschichtigkeit unterschiedlicher Techniken des Fotografischen wider, die in der Sammlung repräsentiert ist. Die ausgewählten Kunstwerke haben zweierlei gemeinsam: den Bezug zum Fotografischen sowie die inhaltliche Beschäftigung mit Körper und Konflikt, Kosmos und Kreatur.

Die Kunststiftung DZ BANK vergibt alle zwei Jahre Förderstipendien an Künstlerinnen und Künstler aller Altersgruppen, die sich auf vielfältige Weise mit Praktiken des Fotografischen befassen und so die Gattungsgrenzen aufbrechen. Die Nominierung erfolgt über Vorschläge einer siebenköpfigen Jury aus Expertinnen und Experten, die sich aus Ausstellungsmacherinnen, Kunsttheoretikern und Kunstschaffenden zusammensetzt. Dieses Kuratorium wird für jeden Vergabeprozess neu festgelegt.

Dieses Jahr bestand die Jury aus Ingo Clauß, Ruth Horak, Dr. Franziska Kunze, Dr. Christina Leber, Anja Manfredi, Felix Ruhöfer und Christina Töpfer. Die sieben Jurymitglieder können jeweils bis zu zehn Künstlerinnen und Künstler vorschlagen. Diese werden von der Kunststiftung eingeladen, sich mit einer Projektidee zu bewerben, die sich möglichst binnen eines Jahres umsetzen lässt oder eine Erweiterung eines vorhandenen Werkkomplexes darstellt.

In einem Auswahlverfahren werden so aus bis zu 70 Einsendungen zunächst zwei Preisträgerinnen oder Preisträger benannt, die eine Fördersumme von je 15.000 € für die Umsetzung ihrer Projektskizze erhalten. Zum Zeitpunkt der Auswahl weiß niemand, was ein Jahr später in der Ausstellung der Förderstipendien zu sehen sein wird. Die Beteiligten erarbeiten ihre Vorhaben im Verlauf eines Jahres oder ergänzen und erweitern bestehende Projekte. So ist es immer wieder eine Überraschung, mit welchen Themen und fotografischen Techniken wir "aus heiterem Himmel" konfrontiert werden.

Bei einem Blick in das Archiv der Ausstellungstätigkeit der letzten Jahre fiel auf, dass immer wieder gleich mehrere ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten den Weg in die thematischen Ausstellungen der Kunststiftung gefunden haben. Seit dem Beginn der Sammlungstätigkeit 1993 durchliefen über 50 Kunstschaffende das Stipendium. Während der ersten acht Jahre von 1993 bis 2001 wurde ein gutes Dutzend Preisträgerinnen und Preisträger berufen, seit 2014 kamen bis heute noch einmal 35 hinzu. Dass deren Kunstwerke immer wieder Eingang in die Ausstellungen finden, ist auch deswegen bemerkenswert, weil im Verhältnis zur Gesamtzahl der Kunstschaffenden der Sammlung die Stipendiatinnen und Stipendiaten einen verhältnismäßig kleinen Teil ausmachen. Was also deutlich wird, ist, dass durch das Förderprogramm immer wieder ältere künstlerische Positionen eine Aktualisierung ihrer thematischen Schwerpunkte erfahren und in anderen Konstellationen noch einmal neu gelesen werden können.

In den Arbeiten von Sven Johne, Lena von Goedeke sowie Kristina Õllek weitet sich die Frage aus: Welche Körper dürfen Räume besetzen, kontrollieren und sichtbar machen? Sven Johne verbindet menschliche Überreste aus der rund 3.300 Jahre zurückliegenden Tollense-Schlacht mit dem gegenwärtigen Ukrainekrieg. Kristina Õllek und Kert Viiart-Õllek hinterfragen den menschlichen Machtanspruch aus der Perspektive einer Rippenqualle. Lena von Goedeke dehnt diese bedrohliche Beziehung von Körper, Raum und Macht anhand von Lichtspuren von Satelliten bis in den Kosmos aus.

Aus heiterem Himmel.
Kirsten Justesen
… GLAUBE NICHT, DASS ICH DAS SCHON MAL GESAGT HABE, ABER DIE LETZTEN DREI MONATE …
Choreography for body, chair and camera #1, 2025/2026
© Kirsten Justesen, VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Über die Künstlerinnen und Künstler

Sven Johne (*1976 Bergen auf Rügen, DDR) studierte Germanistik, Journalistik und Namensforschung an der Universität Leipzig sowie Medienkunst und Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, unter anderem als Meisterschüler von Timm Rautert. Er entwickelt in seinen Werken ungewöhnliche Perspektiven auf Geschichte und Gesellschaft. In seinen Foto-Text-Kunstwerken, Kurzfilmen und Videoinstallationen sind tiefgreifende gesellschaftliche Umbrüche und soziale Verwerfungen ein wiederkehrendes Thema. Oft bedient er sich dafür einer literarischen Mischform aus Dokument und Fiktion. So entstehen Erzählungen zwischen persönlicher Aneignung und historischer Reflexion. Sven Johnes Kunstwerke waren sowohl in Einzelausstellungen unter anderem in Dresden oder Magdeburg sowie Gruppenausstellungen in Chicago, Köln oder München vertreten. 2027/2028 erhält er den Rompreis für Bildende Kunst. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Kirsten Justesen (*1943 Odense, Dänemark) zählt zur Avantgarde der dänischen Kunstszene der 1960er Jahre. Ihre Ausbildung in klassischer Bildhauerei an der Jutland Kunstakademie in Aarhus und der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen bildet den Ausgangspunkt für ein ebenso vielschichtiges wie medienübergreifendes Werk. Es umfasst verschiedene Genres, von Körper- und Performancekunst bis hin zu Skulptur, Fotografie und Installation. Charakteristisch für ihre Kunst ist ein konzeptueller Ansatz in der Bildhauerei, der ständig neu verhandelt wird und dessen Schwerpunkt auf Körper, Zeit, Prozess und Aktion liegt. Seit den 1970er Jahren ist Kirsten Justesen in internationalen Ausstellungen vertreten, darunter auch wegweisende Präsentationen wie »Images of Women« 1970 in Kopenhagen, "MAGNA FEMINISMUS" 1975 in Wien sowie die Wanderausstellungen "WACK! Art and the Feminist Revolution", 2007–2008 in den USA und "Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre", seit 2016. Sie lebt und arbeitet in Kopenhagen.

Lena von Goedeke (*1981 Duisburg, BRD) studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Freie Kunst an den Kunstakademien Münster, Trondheim und Düsseldorf. In ihrer künstlerischen Praxis schafft sie multimediale Kunstwerke, die auf den gravierenden Einfluss des Menschen selbst auf entlegene Gebiete der Erde hinweisen. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin und auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen, wo sie in ständigem Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Forschungsstationen steht. In ihren Kunstwerken beschäftigt sich Lena von Goedeke mit natürlichen Phänomenen wie dem Kosmos, der arktischen Landschaft sowie den physikalischen Eigenschaften von Materialien und Oberflächenstrukturen. 2021 erhielt sie das Jahresstipendium der Villa Concordia in Bamberg; ihre Werke waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, unter anderem in Ratingen, Berlin oder Washington DC, USA.

Rosa John (*1982 Wien, Österreich) studierte Fotografie an der Schule für künstlerische Photographie in Wien sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaften an den Universitäten Wien und Athen. In ihrer künstlerischen Praxis setzt sich Rosa John mit der Vor-Geschichte der Fotografie und der Idee von Sonnenlicht als Rohstoff auseinander. Dies umfasst Experimente ausgehend vom physikalischen Phänomen jenseits der Kameratechnik bis hin zum Ereignis im Inneren der Kamera. Parallel zu ihrer künstlerischen Arbeit verteidigte sie 2025 ihre Promotion »Material, Medium, Muse. Das Objekt der Kamera und der Akt des Filmens« an der Universität Wien. 2022 erhielt sie das Staatsstipendium für künstlerische Fotografie und nahm an internationalen Ausstellungen unter anderem in Antwerpen, Wien und San Francisco teil. Rosa John lebt und arbeitet in Wien.

Kristina Õllek (*1989 Tallinn, Estnische Sozialistische Sowjetrepublik) studierte Bildende Kunst und Fotografie an der Estnischen Kunstakademie, der Kunsthochschule Weissensee und dem Piet Zwart Institute in Rotterdam. In ihrer künstlerischen Praxis arbeitet sie mit Fotografie, Bewegtbild, Installation sowie mikrobiellen und chemischen Prozessen. Im Mittelpunkt stehen marine Ökosysteme und geologische Materie wie auch die Auswirkungen von menschlichem Handeln darauf. Kert Viiart-Õllek (*1989 Tallinn, Estnische Sozialistische Sowjetrepublik) studierte Textildesign an der Estnischen Kunstakademie und Grafikdesign an der Königlichen Kunstakademie in Den Haag. Er arbeitet als Grafikdesigner und bildender Künstler mit besonderem Interesse an posthumanen Zuständen, materiellen Transformationen und der Verflechtung technologischer und ökologischer Systeme. Seit 2022 ist er außerordentlicher Professor im Fachbereich Grafikdesign der Estnischen Kunstakademie. Aufbauend auf ihren früheren Kooperationen verbindet das Künstlerpaar forschungsbasierte Methoden mit spekulativem Storytelling, um zu hinterfragen, wie Umweltwissen produziert und vermittelt wird. Zu ihren gemeinsamen Präsentationen zählt unter anderem die Einzelausstellung »As the Earliest Carrier Emerges« 2025 in Bern. Sie leben und arbeiten in Tallinn.

Aus heiterem Himmel.
Lena von Goedeke
Mouches Volantes IV, 2024/2026
aus der Serie: Mouches Volantes
© Lena von Goedeke, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Aus heiterem Himmel.
Kristina Õllek und Kert Viiart-Õllek
As the Earliest Carrier Emerges, 2024/2026
© Kristina Õllek und Kert Viiart-Õllek, Tartu Art House, Tartu 2024
Foto: Kristina Õllek