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HAUPTSACHEN
Natascha Borowksy, Portrait 1, 2009, C-Print, 58 x 46 cm

HAUPTSACHEN

Das andere Gesicht der Becher-Schule

Laurenz Berges » Natascha Borowsky » Claudia Fährenkemper » Anna Giese » Claus Goedicke » Jörg-Paul Janka » Marianne Kapfer » Matthias Koch » Christian Konrad » Katharina Mayer » Nina Schmitz » Sigune Siévi » Birgitta Thaysen »

Exhibition: 31 Jan – 14 Mar 2014

Fri 31 Jan 18:00 - 21:00

Galerie Bernd A. Lausberg

Hohenzollernstr. 30
40211 Düsseldorf

+49 (0)211-8368491


www.galerie-lausberg.com

Tue-Fri 13-18

HAUPTSACHEN
Claudia Fährenkemper, Serie 'AMOR', Silbergelantineabzug, Courtesy Kunsthistorisches Museum Wien

Hauptsachen. Das andere Gesicht der Becher-Schule

Ausstellung: 31.01. bis 14.03.2014

Eröffnung zum Duesseldorf Photo Weekend: am 31.01.2014 von 18-21 Uhr
Sonderöffnungszeiten: Samstag, 01.02.2014 12-20 Uhr / Sonntag, 02.02.2014 12-18 Uhr

Künstlergespräch: Samstag, 01.02.2014 um 17 Uhr, Moderation: Maren Polte

Filmvorführung: Sonntag, 02.02.2014 um 14 Uhr, „Die Fotografen Bernd und Hilla Becher“. Ein Film von Marianne Kapfer

Künstler mit einem Abstand von mehr als anderthalb Jahrzehnten nach ihrem ästhetischen Initiationshintergrund zu rubrizieren, scheint kaum mehr angemessen. Doch im vorliegenden Fall soll gerade nicht das Fortwirken der streng sachlichen Becher’schen Bild-Pädagogik gezeigt werden, sondern im Gegenteil die Diversität im Umgang mit dem fotografischen Medium und dem Ansatz des Lehrerehepaares.

Die Ausstellung fokussiert ein Thema, dass fälschlicher Weise nur vereinzelt mit den ehemaligen Becher-Schülern verbunden wird: das Portrait. Unmittelbar fallen einem die Serien von Thomas Ruff und die Familienbilder von Thomas Struth ein. Aus der jüngeren Generation ist es Bernhard Fuchs, der sich ausschließlich diesem Genre widmet. Dass es kein gängiges Becher-Schulen-Sujet ist, mag auch daran liegen, dass die sachlich informative Ebene einer Fotografie beim Portrait durch die per Kamera vermittelte Stimmungsrelation zwischen Fotograf und zu portraitierender Person erweitert ist - die Pose - „Wie wäre ich gerne“ - steht im Verhältnis zum „Wie ich bin“ und unterläuft eine rein sachlich dokumentierende Wiedergabe. Die Auseinandersetzung mit dem Portrait ist eine Auseinandersetzung mit Selbst- und Fremdwahrnehmung und nicht zuletzt mit einer langen Tradition bereits vorhandener Stilisierungen.

Jörg Paul Janka führt sie uns an einem Beispiel vor Augen, indem er Portraitbilder zeigt, die ursprünglich aus einer Kaserne stammen. Im klassischen Halbportrait, den Körper nach hinten fluchtend, den Blick frontal in die Kamera gerichtet, das Gesicht betont durch ein schräg von vorne einfallendes Licht - so erscheinen die jungen, alle gleich gekleideten Soldaten wahrhaftig uniformiert, wären da nicht die je individuellen Erwartungen, die aus den Gesichtern sprechen.

Als eine Art typologischer Vergleich ist auch die Arbeit Getürkt von Katharina Mayer angelegt. Weit über 100 Aufnahmen zeigen verhüllte und unverhüllte Frauen, Türkinnen und inszenierte Türkinnen in einer überbordenden Vielfalt von farben- und formenfrohen Gewändern und Innenräumen. Präsentiert wird das kulturell Andere sowie die Tarnung in einem Wechselspiel von Raum und Fläche in dem sich der Mensch wie ein Pendel bewegt.

HAUPTSACHEN
Anna Giese, Andreas Gursky, 2000, chromogen verarbeitetes PE-Papier, ca. 37 x 28 cm,
Düsseldorf, Stiftung Museum Kunstpalast, AFORK © Tita Giese

Auch Natascha Borowsky beschäftigt sich mit fremden Kulturen, allerdings einer ganz anderen Zeit. Gebettet auf je unterschiedliche Haare, präsentiert die Künstlerin präkolumbianische oder afrikanische Kopfskulpturen. Sie verleiht den ethnologischen Stücken dadurch eine Dynamik und Vitalität, verquickt Geschichte und Gegenwart, so dass sich jenseits der historischen Perspektive ein zeitgenössischer Dialog über Kultobjekte entspinnen kann.

Ebenfalls in vermittelter Weise portraitiert auch Claudia Fährenkemper den Menschen, beziehungsweise sein Abbild – nicht als Kultobjekt, sondern als ebenso schmückende wie funktional schützende zweite Haut. Ihre Serie AMOR zeigt kostbare Prunk- und Tunierrüstungen für Herrscher und Feldherren. Physiognomische Ausformungen und emblematische Verzierungen geben Aufschluss über die sich dahinter versteckende Persönlichkeit. Mehr noch als über die äußere Erscheinung lassen diese Portraits den familiären und gesellschaftlichen Hintergrund sichtbar werden.

Schon diese vier Positionen zeigen die Vielfalt der thematischen Bearbeitung, zu der auch die Auseinandersetzung mit Intimität, die Aktfotografie, das klassische wie das inszenierte und auch das überarbeitete Portrait zählen. Wie der Titel andeutet, ergibt der thematische Schwerpunkt der Ausstellung damit ein weiteres „Portrait“. Sie ergänzt das einseitige Bild einer Gruppe von Künstlern, so dass deren vermeintlich hinreichend bekanntes Gesicht als „Becher-Schule“ überraschende neue Züge gewinnt.

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Katharina Mayer, Serie 'getürkt', 1993-1997, C-Print, 50 x 40 cm